Situation und Trends
Abbildung 1:Karte der biologischen Gewässergüte in Österreich.
Im Jahr 2005 wurde als einer der ersten Schritte der Umsetzung der WRRL die Ist-Bestandsaufnahme der Gewässer in Österreich veröffentlicht (BMLFUW 2005a). Sie wurde gemäß dem integrativen Ansatz der WRRL flächendeckend für Österreich, das in acht Flusseinzugsgebiete (Planungsräume) unterteilt wurde, durchgeführt. Darin ist u. a. eine erste Abschätzung der Einhaltung des Ziels „Guter Zustand der Gewässer im Jahr 2015“ („Risikoanalyse“) enthalten. Die Bewertung der Wassergüte erfolgte für die abgegrenzten Grund- und Oberflächenwasserkörper (für Fließgewässer mit einem Einzugsgebiet > 100 km2 und für Seen mit einer Fläche > 50 ha).
Oberflächengewässer
Die Risikoanalyse für Oberflächengewässer ergab, dass die Flüsse und Seen aufgrund großer Bemühungen der Kommunen und der Industrie eine gute chemische und biologische Wasser- bzw. Gewässergüte aufweisen (siehe Abbildung 1). Bei lediglich 1% der untersuchten Messstellen gemäß Wassergüte-Erhebungsverordnung (WGEV) besteht besonderer Sanierungsbedarf (ab Güteklasse III) hinsichtlich der biologischen Gewässergüte. Diese wird aus dem Vorkommen von Pflanzen und Tieren als Reaktion auf die Gewässerbelastung mit biologisch abbaubaren Substanzen abgeleitet (BMLFUW 2005b).
Gemäß der Ist-Bestandsaufnahme (BMLFUW 2005a) besteht für knapp 60% der Fließgewässerstrecken das Risiko, das Ziel des „guten Zustands“ bis 2015 zu verfehlen. Durch wasserbauliche Maßnahmen sind die Flüsse in Österreich zu einem großen Teil hydrologisch und morphologisch beeinträchtigt. Für einen Teil dieser Gewässerabschnitte wird, da die Veränderung auf Energiegewinnung, Schutzwasserbau und Schifffahrt zurüchzuführen ist, eine spezielle Bewertungskategorie (sog. Erheblich veränderter Wasserkörper) zur Anwendung kommen. Die Hydromorphologie ist charakterisiert durch
- die Abflussverhältnisse (Wassermenge, Saisonalität, Wasserstandsschwankungen, Strömungsdynamik, Verbindung zum Grundwasser);
- die Gewässerstruktur (Laufentwicklung, Struktur und Substrat des Flussbetts, Struktur der Uferzone, Vernetzung mit Umland und Zuflüssen) und
- die Durchgängigkeit und Passierbarkeit des Flusses für Tiere und Sedimenttransport.
Hydromorphologische Veränderungen der Flüsse finden v.a. durch die Wasserkraftnutzung (Kapitel 12) und Hochwasserschutzmaßnahmen in Form von Dämmen, Querbauwerken, Begradigungen und Ufersicherungen statt. Hydrologische Beeinträchtigungen treten z.B. durch Ausleitungen und den Schwallbetrieb von Speicher-Wasserkraftwerken auf.
Bei sechs von insgesamt 62 Seen mit einer Größe von mehr als 50 ha wird aufgrund der Nutzung als Speicherseen und der damit verbundenen hydrologischen und morphologischen Veränderungen von einer Zielverfehlung hinsichtlich der Hydromorphologie ausgegangen (BMLFUW 2005a).
Als mögliche Quellen für stoffliche Belastungen von Oberflächengewässern werden Punktquellen (z.B. Stoffeinträge aus Kläranlagen) und diffuse Quellen (z.B. Stoffeinträge aus der Landwirtschaft) unterschieden. Ein Emissionsregister zur Erfassung punktueller und diffuser stofflicher Belastungen der Flüsse wurde für die Ist-Bestandsanalyse erarbeitet (BMLFUW 2005a).
Punktuelle Schadstofffrachten aus kommunalen Kläranlagen, Industrie und sonstigen Direkteinleitern wurden für die Risikobewertung der Wasserkörper hinsichtlich des chemischen Zustands abgeschätzt.
Das Abwasser von 86% der EinwohnerInnen wurde im Jahr 2001 über ein öffentliches Kanalisationssystem und somit eine Abwasserreinigungsanlage entsorgt, 2003 erhöhte sich dieser Wert auf 88,9% (BMLFUW 2006d).
Die aktuelle Auswertung der Reinigungsleistung der Kläranlagen in Österreich zeigt durchwegs Verbesserungen im Jahr 2003 gegenüber 2001, vor allem beim Parameter Phosphor. Die Anpassung von einigen großen kommunalen Kläranlagen an den Stand der Technik (z.B. in Wien und Graz) bewirkte seit 2004 weitere Verbesserungen der Reinigungsleistung, vor allem im Hinblick auf die Stickstoffentfernung (BMLFUW 2006d). Das kommunale Klärschlammaufkommen in Österreich steigt daher weiter an, im Jahr 2004 betrug es 237.679 t Trockensubstanz, das entspricht einer 7%igen Steigerung gegenüber 2000. 16% davon werden in der Landwirtschaft ausgebracht (BMLFUW 2006d).
Auch flächendeckend diffuse Nährstoffeinträge (Stickstoff und Phosphor) von landwirtschaftlichen Flächen in Flüsse wurden für die Risikobewertung der Wasserkörper hinsichtlich des chemischen Zustands abgeschätzt (BMLFUW 2005a).
Erste vorläufige Zahlen aus Modellberechnungen zeigen teilweise höhere diffuse Nährstoffeinträge. So stammen im Einzugsgebiet der March rund 70% der Stickstoffeinträge und 82% der Phosphoreinträge aus diffusen Quellen. Im oberen Einzugsgebiet der Donau bis Jochenstein (inklusive der Zubringer wie z.B. Inn und Salzach) stammen 45% der Stickstoff- und 12% der Phosphoreinträge (UMWELTBUNDESAMT 2005) aus diffusen Quellen.
Ausbau der Wasserstraße Donau
Das zum Zeitpunkt der Berichterstellung zur UVE eingereichte flussbauliche Gesamtprojekt für die Donau östlich von Wien wurde von Vertreterinnen und Vertretern aus den Bereichen Wasserbau und Ökologie gemeinsam erarbeitet. Damit sollen die Fahrwasserverhältnisse für die Schifffahrt auf der freien Fließstrecke östlich von Wien (zwischen Wien und der slowakischen Staatsgrenze) durch eine Stabilisierung der Flusssohle verbessert werden. Da das Gebiet als Nationalpark („Donau-Auen“) ausgewiesen ist, sind ökologische Begleitmaßnahmen wie die Reaktivierung von alten Donaubegleitarmen und Uferrückbauten vorgesehen.
Grundwasser
Abbildung 2:Auswertung für Grundwassergebiete: Beobachtungs- und voraussichtliche Maßnahmengebiete gemäß GSwV.
Die Fläche für Beobachtungsgebiete umfasst ca. 4.000 km2 und für voraussichtliche Maßnahmengebiete rund 3.000 km2, das entspricht 5% bzw. 3,5% der Staatsfläche (BMLFUW 2006c). Entsprechend der Kriterien der 1991 erlassenen Grundwasserschwellenwertverordnung (GSwV) i.d.g.F. sind insgesamt 27 Grundwassergebiete in Österreich Beobachtungsgebiete (25) und/oder voraussichtliche Maßnahmengebiete (12)1) (siehe Abbildung 2). Parameter, deren Schwellenwerte im Grundwasser überschritten werden, sind Nitrat, Nitrit, Atrazin, Desethylatrazin, Ammonium, Orthophosphat, Natrium, Chlorid und Kalium.
1) Ein Grundwassergebiet ist als Beobachtungsgebiet zu bezeichnen, wenn im Messzeitraum (zwei Jahre) gleichzeitig 30% oder mehr Messstellen gefährdet sind und als voraussichtliches Maßnahmengebiet, wenn im vorgegebenen Messzeitraum (zwei Jahre) gleichzeitig 50% oder mehr Messstellen gefährdet sind.
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Gemäß der IST-Bestandsaufnahme (BMLFUW 2005a), die auf Daten der Jahre 2001/ 02 beruht, wurden Nitrat, Atrazin und Desethylatrazin als jene Parameter identifiziert, für die ein Risko besteht, den guten chemischen Zustand des Grundwassers im Jahr 2015 zu verfehlen.
Nitrat stellt für das Grundwasser nach wie vor das größte Problem dar. Tendenziell ist zwar eine Abnahme der Konzentrationen zu verzeichnen, allerdings musste ab 2000 bei ca. 1/5 aller Grundwassergebiete – vor allem im Osten Österreichs – wieder ein Anstieg der Konzentrationen festgestellt werden (UMWELTBUNDESAMT 2004a). Die Ursachen dafür sind derzeit noch unklar. Im 7. Umweltkontrollbericht (UMWELTBUNDESAMT 2004b) und im Jahresbericht 2006 (BMLFUW 2006c) sind für weitere Parameter detailliertere Trendauswertungen der Grundwassermessstellen dargestellt.
Neben den diffusen Nähr- und Schadstoffeinträgen ins Grundwasser, die meist auf die landwirtschaftliche Bodennutzung zurückzuführen sind (° Kapitel 5), sind auch punktuelle Schadstoffeinträge (z.B. chlorierte Kohlenwasserstoffe) aus Altlasten ins Grundwasser festzustellen (° Kapitel 10). Diese sind auf die Ballungszentren und auf den Nahbereich von Altlasten beschränkt (BMLFUW 2005b, 2006c).
Die Beurteilung des Risikos hinsichtlich der Verfehlung des guten mengenmäßigen Zustands des Grundwassers ergab, dass österreichweit in keinem Grundwasserkörper ein Risiko der Übernutzung besteht, d. h. dass die Entnahmen das vorhandene Dargebot langfristig nicht überschreiten. Dennoch kann es lokal in Trockenperioden zu angespannten Grundwassersituationen kommen, vor allem im Weinviertel, Marchfeld und in der Südsteiermark (Grazer Feld, Leibnitzer Feld, Unteres Murtal) (ÖWAV 2003).
Monitoring der Wassergüte in Österreich
In den Jahren 2007/2008 beginnt das neue Monitoring der Gewässer in Österreich gemäß WRRL (Gewässerzustandsüberwachungsverordnung, GZÜV). Für das Grundwasser werden die Adaptierungen des Monitoringnetzes gering ausfallen. Für die Oberflächengewässer wird es massive Änderungen im Monitoring geben: Anstelle des bisherigen wassergüteorientierten Belastungsnetzes, das auf punktuelle Schadstoffeinträge ausgerichtet war, wird es ein repräsentatives Messnetz für die Gesamtbetrachtung der Gewässer geben, d.h. auch die hydrologischen und morphologischen Gewässerbelastungen werden erfasst werden. Zudem wird das Monitoring auch auf stehende Gewässer ausgeweitet werden. Einen Schwerpunkt wird ab 2007 die Intensivierung der Überwachung der biologischen Qualitätskomponenten bilden (aquatische Lebensgemeinschaften, d.h. insbesondere Fische, bodenlebende Wirbellose, Algen, Wasserpflanzen).
Die Wassergüteerhebung in Österreich ist seit 15 Jahren ein bewährtes System der Zusammenarbeit zwischen Fachdienststellen des Bundes und der Ämter der Landesregierungen sowie akkreditierten privatwirtschaftlichen und öffentlichen Labors mit einem strengen System der Qualitätssicherung (BMLFUW 2006c).
Hochwasserschutz für Mensch und Eigentum
Infolge des Extremhochwassers 2002 und der Hochwässer der letzten Jahre fand eine umfassende Ursache-Wirkungs-Analyse der Hochwasserereignisse in Österreich statt (BMLFUW 2004a, 2006e). Im Rahmen eines integrierten Hochwasserschutzmanagements werden neben technischen Maßnahmen zum Hochwasserschutz von Siedlungsgebieten künftig verstärkt nicht-bauliche Maßnahmen (passiver Hochwasserschutz), Gefahrenzonenausweisung, raumplanerische und sozio-ökonomische Vorsorgemaßnahmen (eingeschränkte Nutzungen gefährdeter Flächen, Warn- und Alarmpläne, Katastrophenvorsorge etc.) sowie Wasserrückhaltemaßnahmen im Oberlauf in die Hochwasserschutzplanung mit einbezogen (° Kapitel 15).
Seit 2002 sind etwa 400 ha Überflutungsraum durch die Bundeswasserbauverwaltung für das öffentliche Wassergut angekauft und weitere Flächen für den Hochwasserabfluss reaktiviert worden (BMLFUW 2006a). Bei der Bereitstellung von Überflutungsflächen zur Förderung des passiven Hochwasserschutzes bestehen vor allem Zielkonflikte mit der Raumplanung bzw. mit den Grundeigentümern/-eigentümerinnen (° Kapitel 15).
Das Hochwasserzonierungssystem Austria (HORA) wurde fertig gestellt. Seit Juni 2006 ist es für alle Bürgerinnen und Bürger möglich, auf dieser Internetplattform eine erste Gefahrenabschätzung für das Risiko einer möglichen Überschwemmung entlang von insgesamt mehr als 25.000 Flusskilometern mittels Adresseneingabe zu erhalten (http://www.hochwasserrisiko.at).
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