Österreichische Referenzwerte für Phthalate

Veröffentlichung im „International Journal of Hygiene and Environmental Health“

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(Wien, 4.7.2018) ExpertInnen des Umweltbundesamtes haben in einer Studie untersucht, inwieweit die ÖsterreicherInnen mit Kunststoffweichmachern (Phthalaten) belastet sind und dazu Harnproben analysiert. Dabei wurde auf Probenmaterial und Daten der österreichischen Ernährungsstudie 2010-2012 zurückgegriffen. Basierend auf den nachgewiesenen Mengen wurden erstmals Referenzwerte für Österreich ermittelt. Sie stehen nun für zwei Gruppen - Kinder und Jugendliche sowie Erwachsene und SeniorInnen - zur Verfügung. Bei Referenzwerten handelt es sich um statistisch abgeleitete Werte, mit denen die Hintergrundbelastung der Bevölkerung beschrieben wird. Sie wurden vor kurzem im Wissenschaftsjournal „International Journal of Hygiene and Environmental Health“ veröffentlicht.

Ergebnisse

Bislang sind für andere Länder kaum Referenzwerte für Phthalate verfügbar, soweit bekannt lediglich für Deutschland und Kanada. Im Vergleich dazu ist die Hintergrundbelastung in Österreich geringer. Kinder sind tendenziell höher belastet als Erwachsene, was auch in anderen internationalen Studien bestätigt wurde.

 

Kunststoffweichmacher

Phthalate sind Kunststoffweichmacher, die in einer Vielzahl von herkömmlichen Produkten teils in beträchtlichen Mengen eingesetzt werden. Sie finden sich in beispielsweise in Lebensmittelverpackungen, Spielzeug, Kosmetika, Baumaterialien oder Kleidung. Einige Phthalate sind als reproduktionstoxisch eingestuft. Darüber hinaus können sie das Hormonsystem schädigen.

 

Referenzwerte

Bei Referenzwerten handelt es sich um statistisch abgeleitete Werte, was bedeutet, dass sie die Hintergrundbelastung einer Bevölkerung oder Bevölkerungsgruppe beschreiben. Sie können sich im Laufe der Zeit ändern, etwa wenn es zu Veränderungen bei der Belastung der Bevölkerung kommt.

 

Nachweis durch Human-Biomonitoring

Welche Schadstoffe in welchem Ausmaß in den Körper gelangen, kann mittels Human-Biomonitoring ermittelt werden. Dazu erfolgt die chemische Analyse von biologischen Materialien des Menschen, wie zum Beispiel Blut, Harn, Muttermilch, Haare, Speichel oder Gewebsproben auf Schadstoffe oder deren Abbauprodukte. Das Umweltbundesamt zählt zu den Vorreitern auf dem Gebiet des Human-Biomonitorings in Österreich und leitet auch die Österreichische Plattform für Human-Biomonitoring.