Empfehlungen der ReferentInnen

Dr. Peter Zulka (Umweltbundesamt)

1. Ohne eine Verbesserung der Landschaftskonnektivität werden die Roten Listen gefährdeter Arten immer länger werden.

 

2. Es kommt auf die Qualität der Korridore, im Speziellen der Biotopbrücken, an. Im schlechtesten Fall dienen die Korridore als Ausbreitungshilfe für Krankheiten, biotopfremde Aliens, Kulturfolger, nicht aber für anspruchsvolle gefährdete Arten. Die Größe und Biotopausstattung der Biotopbrücken wird daher entscheidend sein.

 

3. Hinsichtlich der Ausbreitung von Arten herrschen Forschungsdefizite. Für die meisten Arten ist nicht ausreichend bekannt, wie sie sich in einer anthropogen gestalteten Landschaft bewegen.

 

4. Die Kartierung von sensiblen Gebieten und großräumigen Wanderkorridoren, die keine weitere Zerschneidung erfahren dürfen, sowie deren Ausweisung und Absicherung durch die Raumplanung, wäre extrem wichtig. Es ist kostensparender und effizienter, wenn sensible Gebiete erst gar nicht zerschnitten werden, als wenn später mit großem Aufwand Korridore, Trittsteinbiotope und Biotopbrücken neu geschaffen werden müssen.

 

5.  Zur Planung von Biotopbrücken wäre der Focal-Species-Ansatz von Lambeck wichtig und hilfreich. Da es unmöglich ist, die Ansprüche aller Arten zu berücksichtigen, ist es zweckmäßig, sich auf einzelne besonders fragmentierungsempfindliche und schutzbedürftige Arten zu konzentrieren. Wenn für diese die Landschaftskonnektivität auf ein ausreichendes Maß angehoben wird, dann ist gewährleistet, dass auch für weniger empfindliche Arten die Maßnahmen ausreichend sind. Solche Arten sind regionsspezifisch zu bestimmen. Beispiele für geeignete fokale Arten der Biotopbrücken-Planung wären die Großtrappe auf der Parndorfer Platte oder das Ziesel im Weinviertel.

Dipl.-Ing. Alexander Walcher (ÖSAG)

Es ist dringend erforderlich, Raumplanung und Infrastrukturplanung bei der Realisierung von Straßeninfrastukturprojekten zu verknüpfen um sicherzustellen, dass straßenplanerische Maßnahmen zur Vermeidung von infrastrukturbedingten Lebensraumzerschneidungen nicht durch raumplanerische Defizite nutzlos werden.

Irene Bouwma (ALTERRA)

Empfehlung für Österreich:

1.  Abstimmung zwischen der Raumplanung auf Gemeinde-, Länder und Bundesebene, nicht nur für Naturschutz (Wildkorridore) und Verkehr, sondern für alle Bereiche (Landwirtschaft, etc....)

 

Empfehlungen für Europa:

1.  Die EU-Länder und die Europäische Kommission sollen bei der Entwicklung vom Natura-2000 Netzwerk auch die Notwendigkeit von Verbundsräume betrachten.

2.   Bessere Kooperation zwischen den Ländern in Bezug auf Wildtierkorridore und Raumplanung

Dr. Friedrich Völk (ÖBf AG)

1.  Für die Projektplanungen von Hauptverkehrsträgern:

Gesetzliche Verpflichtung zu einer projektbegleitenden Planung der Raumentwicklung (Landschaftsplanung), die in Abstimmung mit den betroffenen Gemeinden und dem jeweiligen Infrastruktur-Projektwerber erarbeitet und von der überregionalen Raumplanung koordiniert wird.

 

2.  Für die überörtliche Raumplanung:

Planerische Berücksichtigung bedeutsamer Wildtierkorridore in den regionalen Entwicklungsprogrammen – nach dem Muster der Steiermark – generell in allen österreichischen Bundesländern (langfristige Absicherung der Grünlandwidmung, unter anderem zur Erhaltung der wildökologischen Funktion bestehender Wildtierpassagen bzw. Wildquerungshilfen).

 

3.  Für die nationale und internationale Abstimmung:

Erfüllung von EU-Vorgaben durch bessere Koordination zwischen den Ländern in Bezug auf Wildtierkorridore und Raumplanung (länder- und staatenübergreifendes kohärentes Netzwerk – nicht nur für die Vernetzung von Schutzgebieten). Als wildbiologische Vorleistung dafür sind eine wildökologische Raumplanung für Großsäuger bzw. großräumige Vernetzungskonzepte zu erarbeiten.

Dr. Peter Voser (Jagd- und Fischereiverwaltung, Kanton Aargau)

1.  Grundlagen für die Öffentlichkeitsarbeit

 

Die Verinselung in kleinen isolierten Reservaten ist ein Kernproblem bei der Erhaltung der Biodiversität. In der Öffentlichkeit ist das Problem noch viel zu wenig bekannt. Die Situation ist in ganz Europa westlich Russlands ähnlich. Darum sollten wir sie gemeinsam auswerten und mit attraktiven, einfachen aber korrekten Mitteln einer breiten Bevölkerung, Naturschutzkreisen und der Jägerschaft näher bringen.

 

Heute besteht eine Flut von Publikationen von unterschiedlichem Niveau, welches oft das Thema nur unbefriedigend abdeckt.

 

2.  Anlegen einer zentralen Anlaufstelle im Internet für den Informations-austausch auf staatlicher Ebene

 

Zentrale Daten zu den Vernetzungssystemen und Wildtierkorridoren auf nationaler und auf Länderebene sollten hier systematisch erfasst und bewirtschaftet werden. Das erleichtert den Behörden, zu zeigen, was im weiteren Umfeld läuft.

 

z.Bsp. Wer plant Vernetzungskonzepte, plant, baut, baute wo Grünbrücken und Wildtierdurchlässe?

Wer macht bei welchen Objekten Erfolgskontrollen?

 

Jeder Staat bezeichnet eine Anlaufstelle, die die Angaben nach einheitlichem Schema einer Zentralstelle weitermeldet.

Friedrich Reimoser (FIWI, Veterinärmedizinische Uni Wien) & Dipl.-Ing Johann Mattanovich (Kärntner Jägerschaft)

1. Öffentlichkeitsarbeit

  • Bewusstmachung des grundsätzlichen Problems der Lebensraumzerschneidung für Wildtiere; keine Problemverdrängung. Alle Landnutzer und Landschaftsgestalter müssten sich ihres Einflusses als Lebensraumgestalter für Wildtiere stärker bewusst werden und diesbezügliche Auswirkungen ihrer Tätigkeit einkalkulieren. Dieses Umdenken erfordert intensive, aber sachliche Öffentlichkeitsarbeit sowie umfangreiche Aus- und Weiterbildung. Erst wenn in der Bevölkerung ein ausreichendes Problembewusstsein besteht, können Bemühungen einiger vorausblickender Politiker, Behördenvertreter oder Sachverständiger zu einem nachhaltigen Erfolg führen.
  • Bereitschaft zur aktiven Eingliederung von Wildtieren in die Kulturlandschaft anstatt passivem „Sich selbst überlassen“ (sofern Wildtieren zumindest ein beschränkter Lebensraum auf Dauer erhalten werden und die Entstehung von Wildschäden an der Vegetation nicht gefördert werden sollen).
  • Rücksichtnahme auf wildökologische Belange bei der Planung von Bauwerken, die Barrierewirkung für Wildtiere haben können, insbesondere verstärkte Einbeziehung wildökologischer Aspekte in die Siedlungs- und Verkehrsplanung.

2.  Kommunikationsplattform

Umdenken aller Landnutzer, neues Problembewusstsein der Bevölkerung (Gesinnungswandel) erforderlich. Dafür ist die Einrichtung von Kommunikationsplattformen notwendig, die alle mit der Problematik verknüpften Interessengruppen inkludieren.

 

3.  Schaffung rechtlicher Grundlagen

Aufbau von intersektoral und international abgestimmten Rechtsgrundlagen (ganzheitlicher, sektorübergreifender Blickwinkel und internationale Vernetzung).

 

4.  Wildökologische Raumplanung (WÖRP)

Berücksichtigung wildökologischer Belange bei Raumordnungskonzepten, Umweltverträglichkeitsprüfungen, Verbauungsprojekten etc. Ausarbeitung großräumiger Wildökologische Raumplanungskonzepte als Grundlage. Feststellung der Raumnutzung sowie von aktuellen und potenziellen Mobilitätsengpässen vor allem für Säugetierarten (großräumige Habitatanalyse; zielgerichtete Forschung mit objektiven Ergebnissen als sachliche Entscheidungshilfe).

 

5.  Ortsbezug, klare Zielprioritäten, flexible Maßnahmen

Effiziente Problementflechtung vor Ort, Vermeidung zu starker Verallgemeinerungen bei Vorschreibungen.

HR Dipl.-Ing. Dietlinde Mlaker & Dipl.-Ing. Harald Grießer (beide: Amt der Steiermärkischen Landesregierung)

1.  Raumplanung braucht, um Interessensabwägungen bestmöglich durchführen zu können differenzierte, fachliche fundierte Grundlagen von Seiten der Wildökologie. Diese Grundlagen sind in digitaler Form zur Verfügung zu stellen, um sie in die Geoinformationssysteme der Länder einzupflegen und den Gemeinden für ihre Arbeit im Rahmen der örtlichen Raumplanung zur Verfügung stellen zu können.

 

2.  Raumplanung ist das „in den Raum bringen“ von gesellschaftlichen Werthaltungen. Daher weiterhin Öffentlichkeitsarbeit und fundierte Information von Multiplikatoren und Entscheidungsträgern über die Notwendigkeit des Freihaltens wichtiger Korridore.

 

3.  Mittelfristig die Erarbeitung von Strategien, wie Korridore nicht nur von Verbauung freigehalten, sondern auch wie sie bestmöglich ausgestattet werden können (Bepflanzung etc.).

Norbert Gerstl (WWF)

1.  Stärkere Berücksichtigung von aktuellen und potentiellen Wanderkorridoren und Verbreitungsgebieten in Planung oder in Neubau sowie Nachrüstungen von Wildwechseln. Insbesondere ist dabei ein Schwerpunkt auf die naturräumliche Anbindung der Querungsmöglichkeiten zu legen (Stärkere Miteinbeziehung der Raumplanung in die Straßenbau-Planung und -Ausführung).

 

2.  Forschungsschwerpunkt „Großwildwanderungen“: Gerade auf dem Gebiet weitwandernder Arten besteht ein Wissensdefizit über die Wanderbewegungen von einigen Großwildarten. Die Förderung und Umsetzung derartiger Monitoring-Projekte ist ein wichtiger Bestandteil, um gezielter Maßnahmen zur Vermeidung von Wildunfällen zu setzen.

 

3.  „Administrative Fragmentierung“: Staats- und Bundesländer-, Kantons- und Provinzgrenzen stellen für ein einheitliches Management von Großwildarten oftmals ein ebenso großes „Hindernis“ dar, wie faktische Barrieren in der Landschaft. Im Zeichen einer zusammenwachsenden Europäischen Gemeinschaft und der EU-Erweiterung ist dies ein wichtiges Aufgabengebiet für die Zukunft. Großwildarten sollten dabei auf der Basis der Verbreitung Ihrer Population betrachtet werden um damit die Lebensmöglichkeiten für gefährdete Arten zu verbessern.