CIRCUSE - Circular flow land use management

CIRCUSE ist ein Projekt des CENTRAL Europe Programmes und wird vom Europäischen Fonds für Regionalentwicklung kofinanziert.

Projektidee

In den letzten dreißig Jahren ist in vielen Europäischen Regionen der Flächenverbrauch wesentlich stärker gestiegen als das Bevölkerungswachstum oder die Wirtschaftsleistung. Im ländlichen Raum ist dieses Phänomen vielfach besonders stark ausgeprägt. Die zahlreichen negativen Effekte des Flächenverbrauchs sind hinlänglich bekannt. Zersiedelung und intensive Bautätigkeiten am Ortsrand führen zu höherem Verkehrsaufkommen, steigenden Erschließungskosten für Gemeinden für neue Leitungen, Kanalisation und Straßen und zur Ver-ödung von Orts- und Stadtkernen. Flächenverbrauch ist nicht zuletzt auch Landschaftsverbrauch und nagt somit an Österreichs Erholungs- und Freizeitwert. Die Reduktion des Flächenverbrauchs ist daher ein essentieller Beitrag zum Klimaschutz.

 

Zur Bewältigung dieser Probleme wurde das Vorhaben “Circular Flow Land Use Management”, kurz: CircUse, gestartet. Das Projekt wird von 12 Partnern und 3 assoziierten Institutionen aus 6 Ländern gemeinsam durchgeführt. Beteiligt sind Partner aus Polen, der Tschechischen Republik, der Slowakei, Italien, Österreich und Deutschland.

 

Das Prinzip der Flächenkreislaufwirtschaft wurde vom Deutschen Institut für Urbanistik erarbeitet und setzt sich zum Ziel den Flächenverbrauch einer definierten Region so gering wie möglich zu halten. Grundprinzipien sind

  • den Bestand an Bauland und Gebäuden zu erhalten
  • möglichst flächensparende Bauweisen anzuwenden
  • Zwischennutzungen zu fördern
  • die Renaturierung von ungenutzten Flächen zu forcieren (Biomassepotenziale erkennen)
  • Brachflächen wieder zu nutzen
  • Grünland zu erhalten

Zu diesen Grundprinzipen wurden zahlreiche Instrumente entwickelt und in sogenannten Planspielen auf Gemeindeebene erprobt.

 

Das Prinzip der Flächenkreislaufwirtschaft, Ergebnis des Forschungsprogramms „Experimenteller Wohnungs- und Städtebau“ des deutschen Bundesministeriums für Verkehr Bau und Stadtentwicklung, soll in sechs europäischen Regionen – mit unterschiedlichen Zielen zur regionalen Entwicklung - zur Anwendung kommen:

Region Entwicklungsziel Projektpartner
Polen: Teile der Stadt Piekary Renaturierungsprojekte ehemaliger Industriegrundstücke Stadtplanung Piekary Institute for Ecology of Industrial Areas  
Deutschland: die Region Mittelsachsen Wiederverwertung und Umnutzung von Industriebrachen Landesamt Sachsen Deutsches Institut für Urbanistik GmbH
Italien: Stadt Asti Erhaltung des Grünraums Stadtplanung Asti Higher Institute on Innovation Territorial Systems
Slowakei: Teile der Stadt Trnava Konversion der Automobilindustrie Stadtplanung Trnava TU Bratislava
Österreich: Region Voitsberg Reduktion des Flächenverbrauchs, Verwertung von Bergbaubrachen Telepark Bärnbach Umweltbundesamt
Tschechien: Teile der Stadt Usti Wiederbelebung eines Stadtviertels mit hohen Anteil an Gewerbeflächen Institute for sustainable development of settlements Region Usti

Österreichische Pilotregion

Die Pilotregion „Voitsberg“ ist eine ehemalige Bergbauregion in der Süd-West Steiermark und besteht aus den Gemeinden Bärnbach, Maria Lankowitz, Köflach, Rosental und Voitsberg. Die Region war im letzten Jahrhundert eine aktive Industrieregion, geprägt durch Braunkohle Bergbau, ein großes Dampfkraftwerk und zahlreiche Standorte der Glasindustrie. Seit Mitte der 80er Jahre ist ein kontinuierlicher Rückzug der Schwerindustrie zu beobachten, begleitet von starken Abwanderungstendenzen in der jungen Bevölkerung.
Die heftigste Phase der Umstrukturierung scheint heute überwunden zu sein. Die Pilotregion umfasst rund 30,000 Einwohner und wird laut Bevölkerungsprognosen dieses Niveau halten können.


Aktuelle Herausforderungen sind die fortschreitende Überalterung der Bevölkerung, die Verbesserung des Wirtschaftsstandortes und die Verwertung zahlreicher großer Brachflächen.

Im Rahmen des Projektes CIRCUSE ist die Einrichtung einer Flächenmanagementagentur geplant, die die Gesamtfläche der fünf Gemeinden im Sinne des nachhaltigen Bodenschutzes verwalten soll.

Geplante Maßnahmen in der österreichischen Pilotregion sind:

  • Einrichtung einer Flächenmanagementagentur für den Gemeindeverbund Voitsberg
  • Entwicklung eines regionalen Leitbildes und Definition regionaler Ziele zum Flächenmanagement
  • Einrichtung eines regionalen Flächenmonitorings: kontinuierliche Erfassung von Baulandreserven und brachliegendem Bauland
  • Flächensparen in der Bevölkerung verankern durch Bildungsprogramme an Schulen und für die allgemeine Öffentlichkeit
  • Projektentwicklung zur Brachflächenrevitalisierung