Klimawandel und Naturschutz

Die anhand von Klimamodellen für das 21. Jahrhundert prognostizierten Änderungen des weltweiten Klimasystems üben - vor allem auf Grund ihrer Geschwindigkeit - einen erheblichen Anpassungsdruck u.a. auf alle Ökosysteme aus. 

 

Die rasche Verschiebung von Vegetationszonen polwärts bzw. in höhere Lagen überfordert die Anpassungsfähigkeit natürlicher als auch menschlich beeinflusster Ökosysteme. So wird in den nordöstlichen Kalkalpen (Oberösterreich) bei einer Klimaerwärmung um 2 Grad Celsius ein beinahe vollständiger Lebensraumverlust für 50% der alpinen Pflanzenarten erwartet (Dirnböck et al. 2003).

 

Flora und Fauna werden sich durch die prognostizierten und bereits eingetretenen Veränderungen des globalen Klimasystems vermutlich erheblich verändern. Die Auswirkungen reichen von einem Arealschwund der Lebensräume bis hin zum Aussterben von Arten. Generell wird von einer starken Veränderung im Artengefüge ausgegangen. Auch in Österreich sind seltene Arten von der Klimaerwärmung bedroht: z.B. Bachforelle (ein Kaltwasserfisch), Birkhühner und Schneehasen, aber auch Auwälder und viele Alpenpflanzen.  

 

Nachfolgend sind einige Beispiele für die Auswirkungen des Klimawandels auf die biologische Vielfalt genannt:

  • In Europa wird die Wanderung bzw. Ausbreitung der Arten nordwärts bzw. in höhere Gebiete erwartet. Für arktisch-alpine und montan verbreitete Arten mit einem geringen Wärmebedürfnis wird eine erhöhte Gefährdung angenommen. Auch montane Lebensräume sind gegenüber einem Klimawandel sehr empfindlich.
  • Arten, die neue Lebensräume erobern und sich ausbreiten, könnten in weiterer Folge andere Arten verdrängen.
  • Wärmere Innenstädte werden vermutlich zukünftige Ausbreitungszentren für gebietsfremde Arten (Neobiota) sein, wie z.B. für Robinie und Götterbaum.
  • Gebietsfremde Tier- und Pflanzenarten können - gefördert duch die Klimaänderungen - "invasiv" werden.
  • Veränderungen im Nahrungsgefüge, bedingt z.B. durch Veränderungen im Jahresrhythmus von Pflanzen. 

Maßnahmen zum Schutz der biologischen Vielfalt

In der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen (United Nations Framework Convention on Climate Change/UNFCCC) wird bestätigt, dass es nötig ist, den Klimawandel zu verlangsamen, um Ökosystemen eine Möglichkeit zur Anpassung zu geben.

 

Der prognostizierte Klimawandel wird auch bei Flora, Fauna und Ökosystemen in Österreich zu erheblichen Veränderungen führen. Bisherige Naturschutzstrategien haben dies nicht berücksichtigt. Neben dem konservierenden Gebiets- und Artenschutz ist künftig ein dynamisch integrativer Biodiversitätsschutz notwendig. Die passive Unterschutzstellung alleine reicht nicht aus!

 

Die einzig wirksame Gegenmaßnahme zur Klimaerwärmung ist, den Ausstoß an Treibhausgasen zu senken. Darüber hinaus müssen unsere Ökosysteme (Wälder, Flüsse, Alpenweiden etc.) unbedingt gegen diese Klimaveränderungen gestärkt werden: ausreichende Flächengröße, Strukturvielfalt, nachhaltige Nutzung, Pufferzonen etc. 
Wanderungs- bzw. Ausbreitungskorridore müssen geschaffen werden, um allfällige Arealverschiebungen zu ermöglichen.  

 

Schutzgebiete sollten untersucht werden, ob diese auch in  Zukunft in Anbetracht der zu erwartenden Klimaveränderungen noch ihren Schutzzielen gerecht werden. Über die Gefährdungssituation ausgewählter Arten sollte ein Monitoring durchgeführt werden.   

Moore und Klimawandel

Moore speichern große Mengen an Kohlenstoff, der durch den Klimawandel, aber auch durch die nach wie vor fortschreitende Entwässerung von Mooren entweichen kann.

 

In Österreich gingen 90 % der ursprünglichen Moorfläche bereits verloren, zwei Drittel der noch bestehenden Moorgebiete sind gestört. Durch ausbleibende Niederschläge, wie sie mit der Klimaerwärmung prognostiziert sind, könnten in Zukunft vor allem die Hochmoore zusätzlich in Bedrängnis kommen. Modellrechnungen des Umweltbundesamtes in der Studie "Moore im Klimawandel" (ÖBF 2011) zeigen, dass 85 % der Hochmoore in der Mitte des 21. Jahrhunderts bei einem Anstieg der Jahresmitteltemperatur um etwa 2,3°C einem hohen klimatischen Risiko ausgesetzt sein werden.

 

Um den Kohlenstoffvorrat der Moore Österreichs zu schützen und die Moore Klima-fit zu machen, müssen intakte Moore unbedingt erhalten und gestörte Moorflächen renaturiert werden.