Waldfläche wird größer

Siedlungen verdrängen Wald in den Ballungsgebieten

Großräumig betrachtet finden Rodungen überwiegend in Gebieten mit geringer Bewaldung statt – in den Tal- und Beckenlagen und im Flach- und Hügelland. Hier stehen die städtischen Ballungsräume und die Landwirtschaft im Wettbewerb um den knappen Raum.

 

Dies betrifft zum Beispiel das Wiener Becken, das Nordburgenland, das oberösterreichische Alpenvorland, die Südsteiermark und das mittlere Inntal. Die Hauptursache bildet der Bebauungsdruck durch Siedlungserweiterung, Verkehr und Infrastruktur, in geringerem Ausmaß die Intensivierung der Landwirtschaft.

 

Waldverluste und -zerschneidungen erfolgen damit gerade dort, wo die positiven Wirkungen des Waldes am meisten benötigt werden:

  • Erholungs- und Wohlfahrtswirkungen (Klimaausgleich, Luftfilterung etc.) im Siedlungsumland;
  • naturnaher Lebensraum, Biotopvernetzung und Erosionsschutz in waldarmen Agrarlandschaften.

 

Rodungen unter 1.000 m² sind seit der Novellierung des Forstgesetzes 2002 nicht mehr bewilligungspflichtig. Ob das öffentliche Interesse an der Walderhaltung in Regionen mit wenig Wald gewahrt werden kann, wird die zukünftige Rodungspraxis zeigen.

Wald verdrängt Wiesen

In den ohnehin waldreichen Berglandschaften des alpinen Raumes und im Waldviertel nimmt der Wald am stärksten zu. Rund 15 ha Grünland werden täglich zu Wald – bald könnten es 50 ha/Tag sein. Waldanteile von 70 bis 80% sind in vielen Gemeinden keine Seltenheit. Hier kann die weitere Verwaldung von ertragsarmen Weiden, Wiesen und Almen die gewachsene Landschaftsvielfalt beeinträchtigen und Artenverluste verursachen, besonders auf artenreichen und seltenen Magerstandorten. Zudem fördert dies die Abwanderung aus dem ländlichen Raum.

Waldentwicklung steuern

Gegenläufige Trends verstärken die ungleichmäßige Verteilung der Waldausstattung in Österreich. Eine verstärkte Steuerung der räumlichen Waldentwicklung kann zur jeweils optimalen Erfüllung der Waldfunktionen beitragen. Dabei wäre zu berücksichtigen:

 

  • Rodungen in waldarmen Gebieten vermeiden.
  • Auswirkungen der Forstgesetz-Novelle auf die Rodungstätigkeit nach angemessener Zeit bewerten.
  • Verwaldung in waldreichen Gebieten stoppen.
  • Gefährdete Waldlebensräume schützen.
  • Forstliche Raumplanung und Landesraumplanung aufeinander abstimmen.
  • Allfällige Förderungen auf unerwünschte Anreize überprüfen.
  • Richtwerte für Höchst- und Mindestwaldanteile von Landschaften entwickeln.
  • Daten über die regionale und lokale Waldentwicklung erheben.