Zusammenfassende Bewertung und Ausblick

Auf europäischer Ebene wurde im Zuge der Ausarbeitung der Bodenschutzstrategie ein Entwurf für eine Bodenrahmenrichtlinie vorgelegt. Damit soll ein europäischer Rahmen für gemeinsame Anstrengungen zur Erhaltung der Bodenfunktionen geschaffen werden.

 

In Österreich liegt die Verantwortung für den Schutz von Waldböden gemäß Forstgesetz bei der Bundesverwaltung. Für den Schutz aller anderen Böden sind die Bundesländer zuständig. Einige Bundesländer beschränken sich jedoch auf den Schutz landwirtschaftlich genutzter Böden (siehe Rechtsnormen und Leitlinien im Literaturverzeichnis). In den Bundesländern Wien, Kärnten, Tirol und Vorarlberg fehlen Bodenschutzgesetze.

 

Das umfassendste Bodenschutzgesetz gibt es derzeit im Land Salzburg. Es zielt darauf ab, die Bodenfunktionen aller Böden, die der Kompetenz des Landes unterliegen, zu erhalten, zu verbessern und wiederherzustellen. Es ermächtigt die Salzburger Landesregierung, gefährdete Böden zu erfassen, Bodenschutzpläne zu erstellen, Bodenverbesserungsmaßnahmen vorzuschreiben und den Bodenschutz finanziell zu fördern. Der Umgang mit lokal verunreinigten Böden sowie Maßnahmen gegen Versiegelung sind in diesem Gesetz nicht berücksichtigt.

 

Ein weiterer wichtiger Schritt für den Bodenschutz ist die erstmalige verbindliche Festlegung von Vorsorgewerten, Prüfwerten und Höchstfrachten für Schwermetalle durch die OÖ Bodengrenzwerteverordnung.

Bodenqualität

Die meisten österreichischen Böden weisen eine geringe Schadstoffbelastung auf. Jedoch gibt es einige Gebiete, in denen die Böden stärker belastet sind. Dies betrifft vor allem Industriegebiete, in denen neben diffusen Einträgen auch lokal hohe Belastungen aus Altlasten vorkommen können. Daneben sind aufgrund der Höhenlage und der Filterwirkung des Waldes besonders Waldböden und Böden in den Alpen durch diffuse Schadstoffeinträge betroffen (UMWELTBUNDESAMT 2004b).

 

Schwermetalle: Der Eintrag der Schadstoffe Blei und Cadmium hat sich seit den frühen 1990er Jahren aufgrund von Anwendungsverboten und Grenzwerten bei industriellen Verbrennungsprozessen verringert. Wichtigster Verursacher für die im Boden vorhandenen Bleibelastungen war bis zum Verbot verbleiten Benzins der motorisierte Verkehr.

 

Positiv wirkt sich ein strenger Grenzwert für Cadmium in Phosphordünger (Düngemittelverordnung) aus. Aufgrund einer österreichischen Risikoabschätzung könnte es möglich sein, dass dieser Grenzwert so lange aufrecht erhalten bleibt, bis die EU-Kommission ihrerseits eine EU-weite Regelung erlässt.

 

Lokale Schwermetallverunreinigungen werden im Einzelfall im Zuge der Vollziehung des Altlastensanierungsgesetzes (Kapitel 10) festgestellt und hinsichtlich deren Umweltgefährdung beurteilt.

Organische Schadstoffe: Über organische Schadstoffe liegen wesentlich weniger Informationen vor als über Schwermetalle. Richtwerte fehlen ebenso wie ein verbindliches Monitoringsystem.

 

Für die Zukunft ist der vermehrte Einsatz neuer organischer Schadstoffe zu beachten. Zu diesen „Upcoming Pollutants“1) zählen nicht nur neue Pflanzenschutzmittel, sondern auch polybromierte Diphenylether (Flammschutzmittel) oder perfluorierte Tenside (Mittel zur Oberflächenbehandlung).

 

1) Schadstoffe, deren Verbreitung und genaue Wirkung in der Umwelt noch nicht bekannt sind, für die aber ein bedeutendes Schädigungspotenzial vermutet wird.

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Für einige schädliche organische Substanzen wie z.B. das Pflanzenschutzmittel Paraquat (Kapitel 11) wurde ein Anwendungsverbot erlassen (Verbot von Pflanzenschutzmitteln, die bestimmte Wirkstoffe enthalten, BGBl. II Nr. 308/2002). Insgesamt nimmt jedoch das Inverkehrbringen von Pflanzenschutzmitteln zu (BMLFUW 2006c) (Kapitel 5, Kapitel 11).

 

Für die Antibiotika-Rückstände in Böden gibt es Hinweise auf Persistenz (UMWELTBUNDESAMT 2005). Dies ist problematisch, da dies zu Resistenzbildung führen kann. Der Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung kann durch alternative Maßnahmen zur Förderung der Tiergesundheit reduziert werden.

Humus: Abnehmende Humusgehalte gefährden die Bodenfunktionen der betroffenen Äcker und führen durch Freisetzung von CO2 zu einem Anstieg der Treibhausgaskonzentration in der Luft. Um den Humusgehalt zu stabilisieren bzw. wieder aufzubauen sind vermehrt konservierende Bodenbearbeitung, organische Bodenhilfsstoffe und Begrünungsmaßnahmen notwendig. Auch das Belassen von Ernterückständen am Feld fördert die Humusbildung.

 

Das Wissen über die aktuelle Entwicklung der Bodenqualität ist lückenhaft. Die Einrichtung einer entsprechenden Anzahl von Bodenmonitoringflächen (Untersuchung von Bodenchemie, -physik und -biologie) und die Erhebung der Belastung zusätzlicher organischer Schadstoffe sind notwendig, um ein konkreteres Bild über die aktuellen Entwicklungen und Probleme zu bekommen. Weiters ist für die organischen Schadstoffe mit hohem Gefährdungspotenzial zu bestimmen, ab welchen Konzentrationen mit schädlichen Folgen zu rechnen ist.

Flächenversiegelung und Erosion

Die aktuelle Rate der Bodenversiegelung von 5 ha/Tag liegt noch deutlich über dem Ziel für 2010 von 1 ha/Tag. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen zusätzliche Maßnahmen ergriffen und das Potenzial zur Nutzung von Brachflächen genutzt werden (Kapitel 10, Kapitel 15).

 

Landwirtschaftsbetriebe nehmen verstärkt Erosionsschutzprogramme in Anspruch (BMLFUW 2005). Über das tatsächliche Ausmaß der Bodenerosion in Österreich gibt es keine Zahlen. Gemäß Bodenschutzprotokoll der Alpenkonvention hat Österreich seine erosionsgefährdeten Gebiete auszuweisen. Das ist bisher nur in Ansätzen erfolgt. Detaillierte Untersuchungen, besonders die Quantifizierung des Bodenabtrags betreffend, wären jedoch notwendig, um Erosionsschutzmaßnahmen (z.B. über das Programm für die ländliche Entwicklung) forcieren und effizient einsetzen zu können.

Nachhaltigkeit

Zur Erreichung einer nachhaltigen Bodennutzung in Österreich ist es notwendig, den Boden in seiner Qualität und in seiner Quantität zu erhalten. Die Kontamination des Bodens mit Schadstoffen muss ebenso minimiert werden wie der Bodenverlust durch Erosion, Hangrutschungen oder Flächenversiegelung. Damit wird beispielsweise das Risiko von Hochwässern vermindert (Kapitel 1). Gleichzeitig muss die extrem geringe Bodenneubildung (ca. 1 cm in 100 Jahren bzw. 1–2 t/ha/Jahr; GRASSL 1997, BUNDESAMT FÜR LANDWIRTSCHAFT 2006) berücksichtigt werden.

 

Zur Überprüfung der österreichischen Nachhaltigkeitsstrategie (BMLFUW 2002, 2004, 2006d, e) im Hinblick auf die Bodenqualität werden die Indikatoren „Anteil der versiegelten Fläche“ (Kapitel 15), „Anreicherung von Schadstoffen im Oberboden oder Überschreitung von Richtwerten für die Elemente Blei und Cadmium“ und „Anteil der landwirtschaftlichen Flächen mit Erosionsschutzmaßnahmen“ herangezogen. Zur Überprüfung des Umweltzieles „Erhaltung der Bodenfunktionen“ ist eine Weiterentwicklung der Indikatoren notwendig.

 

Die Akzeptanz von Bodenschutzmaßnahmen durch die Bevölkerung ist entscheidend für den zukünftigen Umgang mit der Ressource Boden. Die Tatsache, dass der Boden zur Erhaltung seiner Funktionen an sich zu schützen ist, ist zu wenig bekannt.

Gesundheit

Böden sind Speicher für schwer abbaubare Schadstoffe, wie Schwermetalle oder persistente organische Verbindungen (POPs, Kapitel 11, Kapitel 13). Diese Stoffe gelangen entweder über Einträge aus der Luft in die Böden oder werden durch Klärschlamm oder Düngemittel bzw. als Pflanzenschutzmittel aufgebracht. Weiters können lokale Bodenverunreinigungen durch unsachgemäße Handhabung von gefährlichen Stoffen bei gewerblichen und industriellen Tätigkeiten entstehen.

 

Schadstoffe können sich aus dem Boden in der Nahrungskette anreichern (UMWELTBUNDESAMT BERLIN 2005) bzw. ins Grundwasser gelangen (Kapitel 1). Schwermetalle und persistente organische Verbindungen können das Nervensystem, das Immunsystem und das Hormonsystem beeinflussen und deren Entwicklung und Funktionen stören (MARQUARDT & SCHÄFER 2004). Der Einsatz bromierter Penta- und Octadiphenylether – Verbindungen mit flammhemmenden Eigenschaften – wurde aufgrund ihrer persistenten, bioakkumulierenden und toxischen Eigenschaften innerhalb der Europäischen Union verboten und sie wurden als neue POPs zur Aufnahme in das Aarhus-Protokoll (UNECE 1998) zu persistenten organischen Schadstoffen vorgeschlagen. Diese Verbindungen wurden unter anderem auch in Grünlandböden in Österreich nachgewiesen (UMWELTBUNDESAMT 2007b). Aufgrund ihrer Langlebigkeit können diese Substanzen noch jahrzehntelang eine Belastung der Gesundheit darstellen, wie es aus den Erfahrungen mit Dioxinen und polychlorierten Biphenylen bekannt ist (WHO 2005).

 

Zu zahlreichen persistenten Substanzen mit potenziell gefährlichen Eigenschaften besteht weiterhin Forschungsbedarf hinsichtlich ihrer Konzentrationen in der Umwelt, in Pflanzen, Tieren und im Menschen, sowie hinsichtlich ihres Umweltverhaltens und ihrer Toxizität. Es ist notwendig, für die Schadstoffe mit hohem Gefährdungspotenzial für Gesundheit und Umwelt, falls noch nicht vorhanden, Bodenrichtwerte festzulegen. Generell sollten im Sinn des Vorsorgeprinzips Belastungen des Bodens vermieden bzw. minimiert werden.

 

Radioaktive Substanzen: Die Belastung der Böden mit Cäsium-137 aus dem Reaktorunfall in Tschernobyl ist seit 1986 um etwa die Hälfte zurückgegangen. Dennoch werden in Pilzen, wie dem Maronenröhrling, an höher belasteten Standorten noch stark erhöhte Konzentrationen gefunden (UMWELTBUNDESAMT 2007c). Von übermäßigem Verzehr dieser Pilze ist abzuraten.