Situation und Trends

Boden ist eine limitierte Ressource, Schädigungen im Boden sind weniger offensichtlich und viel später erkennbar als in anderen Umweltmedien. Schadstoffe können vom Boden ins Grundwasser gelangen und bei dessen Trinkwassernutzung eine Gesundheitsgefährdung darstellen (° Kapitel 1).
Bodenschutzgesetze liegen für die Bundesländer Burgenland, Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg und Steiermark vor. Einzelne Aspekte werden auch in anderen Rechtsnormen behandelt.

 

Die OÖ Bodengrenzwerteverordnung legt Vorsorgewerte (Werte ab denen der Schadstoffeintrag einzuschränken ist), Prüfwerte (Werte ab denen zu prüfen ist, ob Maßnahmen zur Bodenverbesserung notwendig sind) und zulässige jährliche Frachten zu sieben Schwermetallen fest.

 

Bei den Schwermetallimmissionen aus der Luft (Staub und Niederschlag) konnten im Zeitraum 2003-2005 im Vergleich zum Zeitraum 1998-2000 im Mittel bei fast allen untersuchten Elementen Rückgänge festgestellt werden. Die Einträge von Blei (- 34,5%), Molybdän (- 19,4%) und Kupfer (- 17%) gingen stark zurück. Der Eintrag von Cadmium (+ 0,5%) stagniert, der Nickeleintrag geht leicht zurück, der Chromeintrag stagniert (UMWELTBUNDESAMT 2007a). In verkehrsnahen Böden wurde eine Anreicherung von Platingruppenelementen aus Autokatalysatoren festgestellt. Diese Anreicherung ist jedoch nicht signifikant (UMWELTBUNDESAMT 2007a). Erhöhte Bleigehalte treten vor allem entlang der nördlichen Kalkalpen, in Tirol und in Kärnten auf. Hohe Gehalte an Cadmium finden sich in den nördlichen Kalkalpen und in Südkärnten.
Lokal kam es durch industrielle Tätigkeit zu hohen Schwermetallkonzentrationen im Boden (UMWELTBUNDESAMT 2004a, 2006b).

Abbildung 1: Anteil der Standorte mit Überschreitung der allgemeinen oder der nutzungsspezifischen Richtwerte der ÖNORM L 1075 in %;

Im Jahr 2004 wurde die ÖNORM L 1075 überarbeitet. Darin wurden allgemeine und nutzungsspezifische Richtwerte für 13 Elemente festgelegt. Danach liegen in Oberböden Österreichs vor allem für Blei und Cadmium Überschreitungen vor (siehe Abbildung 1). 13% der untersuchten Waldböden, 25% der Grünlandböden und 9% der Ackerböden (Basisrasterpunkte der Bodenzustandsinventuren der Bundesländer und der Waldbodenzustandsinventur) zeigen Richtwertüberschreitungen von zumindest einem der in der Norm beschriebenen Elemente (AG BODENINDIKATOREN 2007).

Organische Schadstoffe umfassen Kohlenwasserstoffe, Pestizide (° Kapitel 11), Dioxine und andere aromatische Verbindungen, wie Benzo(a)pyren (stammt z.B. aus Verbrennungsprozessen). Bei 0,5% der untersuchten österreichischen Standorte wird der von EIKMANN & KLOKE (1993) empfohlene Richtwert für Benzo(a)pyren von 1.000 µg/kg überschritten. Der Durchschnittswert (Median) des Benzo(a)pyrengehaltes im Ackerboden liegt bei 4,0 µg/kg und im Grünlandboden bei 4,5 µg/kg (UMWELTBUNDESAMT 2004b).

 

Insgesamt liegen erhöhte Werte von organischen Schadstoffen in Böden vor, dies ist von Standort zu Standort abhängig und kann von geringen bis zu hohen Anreicherungen mit organischen Schadstoffen reichen. Vor allem betrifft dies Ballungsräume und Nahbereiche von Industrieanlagen. Aber auch in emittentenfernen Gebieten (in extensiv genutzten Grünlandböden und in den organischen Auflagen der Waldböden) werden Substanzen wie polychlorierte Biphenyle oder polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe nachgewiesen (UMWELTBUNDESAMT 1998, 2002, 2007b). Verunreinigungen mit organischen Schadstoffen treten häufig auch bei Altlasten auf (UMWELTBUNDESAMT 2004a, 2006b).

 

Antibiotika werden in der Schweine- und Geflügelmast unter Kontrolle des Tierärztlichen Gesundheitsdienstes eingesetzt. Stichprobenuntersuchungen von Wirtschaftsdüngern aus Mastbetrieben zeigen hohe Konzentrationen (bis zu 100 mg/kg) an Antibiotika. In mit Wirtschaftsdünger gedüngten Böden sind Antibiotika-Konzentrationen von bis zu 0,8 mg/kg nachzuweisen (UMWELTBUNDESAMT 2005).

 

Humus: Als Humus wird das gesamte im Boden enthaltene tote organische Material bezeichnet. 25% der untersuchten Ackerböden haben einen Humusgehalt von weniger als 2% (UMWELTBUNDESAMT 2004b) und sind somit nach der Richtlinie für sachgerechte Düngung (BMLFUW 2006b) als Böden mit einem geringen Humusgehalt einzustufen.

 

Der Eintrag von eutrophierendem (überdüngendem) Stickstoff aus der Luft wird in ° Kapitel 6 und ° Kapitel 7 behandelt.

 

Radioaktive Substanzen: Restbelastungen aus dem Reaktorunglück von Tschernobyl im April 1986 über 100 Kilobequerel pro m² für Cäsium-137 bestehen im Bereich der Hohen Tauern und in der Nähe des Pyhrnpasses. Die Bodenbelastung durch Cäsium-137 nimmt seitdem kontinuierlich ab (UMWELTBUNDESAMT 2007c).

Erosion und Flächenversiegelung

13% der landwirtschaftlich genutzten Fläche Österreichs sind durch Wassererosion gefährdet. Besonders betroffen sind die Ebenen und Hügelgebiete im Südosten und Nordosten Österreichs, das Alpenvorland und das Klagenfurter Becken (STRAUSS & KLAGHOFER 2006).

 

Im Zeitraum 2005-2006 nahmen die Bau- und Verkehrsflächen um 11,5 ha/Tag zu, die Boden-Neuversiegelung betrug rund 5 ha/Tag (UMWELTBUNDESAMT 2006a) (° Kapitel 15). Davon sind oft hochwertige landwirtschaftliche Böden betroffen.

 

Gewerbliche Bautätigkeiten finden meist auf unverbrauchtem Land statt. Gleichzeitig fallen vor allem im städtischen Bereich gut aufgeschlossene industrielle Flächen brach. In Österreich existieren ca. 3.000-6.000 industrielle oder gewerbliche Brachflächen mit einem Flächenausmaß von rund 8.000 bis 13.000 ha. Jährlich fallen etwa 1.100 ha weiterer Industriebrachflächen an. Durch konsequente Wiedernutzung industrieller Brachflächen könnte ca. ein Viertel des jährlichen Flächenneuverbrauches eingespart werden (UMWELTBUNDESAMT 2004c) (° Kapitel 10).