HBM4EU: Untersuchung der Schadstoff-Belastung der Menschen in Europa

Das EU-Projekt HBM4EU ist eine gemeinsame Initiative von 30 Ländern, der Europäischen Umweltagentur und der Europäischen Kommission, die im Rahmen von Horizon 2020 kofinanziert wurde. Unter der Federführung des deutschen Umweltbundesamtes wurde das Vorhaben – gemeinsam mit über 100 Partnerorganisationen – zwischen Jänner 2017 und Juni 2022 durchgeführt.

Foto Menschen und Mensch mit Fahrrad in Fussgängerzone

HBM4EU untersuchte mittels koordinierter Human-Biomonitoring-Maßnahmen die Schadstoff-Belastung der Menschen in Europa und schuf dabei Grundlagen für regulatorische und politische Entscheidungen. In diesem Rahmen wurde auch zusätzliches Wissen für den sicheren Umgang mit Chemikalien generiert, indem die Chemikalien-Exposition (und deren Auswirkung auf die Gesundheit) gefährdeter Personengruppen wie Kinder, schwangere Frauen und Arbeitnehmer:innen in die Untersuchungen inkludiert wurde.

Umweltbundesamt – Hauptpartner in Österreich für HBM4EU

Das Umweltbundesamt betreibt seit 2007 ein eigenes Human-Biomonitoring-Labor und untersucht Blutproben, Harn, Fettgewebe, Muttermilch, Haarproben auf Umweltschadstoffe im Ultraspurenbereich. Als Hauptpartner („Grant Signatory“) in Österreich ist das Umweltbundesamt die nationale Kontaktstelle („National Hub“) im Rahmen von HBM4EU, koordiniert die Beiträge der beteiligten Institutionen (MedUni Wien, MedUni Innsbruck, AGES und UMIT) und ist Hauptansprechpartner für die EU-Kommission und die europäischen Partner. Darüber hinaus leitete das Umweltbundesamt die Stoffgruppe der PFAS in HBM4EU und koordinierte Aktivitäten zur Untersuchung von Zusammenhängen zwischen Schadstoffeinwirkung und dem Ausbruch von Krankheiten. 

Auch für Dialog und  Partizipation  war das Umweltbundesamt verantwortlich: BürgerInnen-Fokusgruppen und das europäische  Stakeholder-Forum unterstützten die Initiative HBM4EU in strategischen Fragen und in der Priorisierung von Substanzen. Diese Gremien wurden vom Umweltbundesamt geleitet.

Nationale Expertise und europäische Vernetzung

Die teilnehmenden Länder brachten ihr nationales Fachwissen ein oder bauten neues Fachwissen auf, um vergleichbare Daten von europäischen Laboratorien zu erhalten. So konnte die analytische Qualität und Vergleichbarkeit der Daten gewährleistet werden. Durch Bündelung und Koordinierung der vorhandenen nationalen Humanbiomonitoring-Expertisen und -Laboratorien wurden auch weitere Kapazitäten geschaffen und ein Netzwerk aufgebaut, um auch in Zukunft die politischen Entscheidungsträger mit neuesten Forschungsergebnissen zu versorgen, die bei der Gestaltung neuer Chemikalienpolitiken und der Bewertung bestehender Maßnahmen genutzt werden können.

Die im Rahmen von HBM4EU verwendeten und erstellten Daten werden über die Informationsplattform IPCHEM (Information Platform for Chemical Monitoring) zugänglich gemacht.

Die wichtigsten Projektziele:

  • Harmonisierung der Verfahren für Human-Biomonitoring in den 30 teilnehmenden Ländern, um politischen Entscheidungsträgern vergleichbare Daten auf EU-Ebene zur Verfügung zu stellen;
  • Verknüpfung von Daten über die interne Exposition gegenüber Chemikalien mit der aggregierten externen Exposition und Identifizierung von Expositionspfaden und vorgelagerten Quellen;
  • Erarbeitung wissenschaftlicher Erkenntnisse über die kausalen Zusammenhänge zwischen der Exposition des Menschen gegenüber Chemikalien und den gesundheitlichen Folgen;
  • Bereitstellung der wichtigsten Instrumente zur Erkennung neu aufkommender Chemikalien und zur Ermittlung der bedenklichsten Chemikaliengemische;
  • Anpassung der Methoden zur Risikobewertung von Chemikalien, um Biomonitoring-Daten des Menschen zu nutzen und den Beitrag mehrerer externer Expositionspfade zur gesamten chemischen Körperbelastung zu berücksichtigen;
  • Einspeisung von Informationen über Expositionspfade in die Gestaltung gezielter politischer Maßnahmen zur Verringerung der Exposition.

Die Aktivitäten, die zur Erreichung dieser Ziele entwickelt wurden, waren in Arbeitspakete gegliedert, die sich auf drei Säulen stützten:

1. Säule: Science to Policy (Von der Wissenschaft zur Politik)

HBM4EU schlägt eine Brücke zwischen Wissenschaft und Politik und erforscht aktuelle Fragen, um Antworten zu liefern, die den politischen Entscheidungsträgern in den verschiedenen Phasen des Politikzyklus (Planung, Umsetzung und Bewertung) helfen, die menschliche Gesundheit zu schützen.

2. Säule: European HBM Platform (Europäische Humanbiomonitoring-Plattform)

Ein großes Hindernis für die zuverlässige Bewertung und das Management chemischer Risiken ist der derzeitige Mangel an harmonisierten Informationen auf europäischer Ebene über die Exposition der Bevölkerung gegenüber Chemikalien. Die Europäische Humanbiomonitoring-Plattform wird den politischen Entscheidungsträgern vergleichbare europäische Daten über die Exposition des Menschen gegenüber Chemikalien und Chemikaliengemischen liefern, die eine solide Grundlage für politische Entscheidungen zur Verbesserung der Chemikaliensicherheit bilden.

3. Säule: Exposure and health (Exposition und Gesundheit)

Bei vielen Chemikalien sind die mit der Exposition verbundenen gesundheitlichen Auswirkungen und die wahrscheinlichsten Expositionspfade noch unbekannt. Auch die Auswirkungen der Exposition des Menschen gegenüber Chemikaliengemischen sind nur unzureichend bekannt, insbesondere bei den am meisten gefährdeten Personen.

Im Rahmen der HBM4EU-Initiative wurde das Verständnis von Expositions-Wirkungs-Beziehungen verbessert, Mithilfe von Modellierungsinstrumenten wurden die wahrscheinlichsten Expositionspfade ermittelt und die am besten geeigneten Marker wurden ermittelt. Weiters wurden die Auswirkungen der Exposition gegenüber Chemikaliengemischen untersucht.

Ergebnisse

Neben der Auswertung vorhandener Daten wurden nach einheitlichen Vorgaben neue Studien durchgeführt. Diese neu durchgeführten Studien konzentrierten sich auf drei Altersgruppen: Kinder (6-11 Jahre), Teenager (12-19 Jahre) und Erwachsene (20-39 Jahre) und berücksichtigten Personen aus städtischen, halbstädtischen und ländlichen Gebieten in verschiedenen Regionen Europas. 19 Stoffgruppen wurden vorrangig untersucht, darunter waren:

  • Phthalate und DINCH (Alternative für den gesundheitlich bedenklichen Weichmacher DEHP)
  • PFAS
  • Bisphenole
  • Kadmium
  • Pestizide