FAQs zum LULUCF-Sektor

Foto Wald mit geschlägerter Fläche

Was bedeutet LULUCF?

LULUCF steht für die Bezeichnung des Sektors Landnutzung, Landnutzungsänderungen und Forstwirtschaft (Land Use, Land Use Change and Forestry) in der Treibhausgas-Inventur. 

Was beinhaltet der LULUCF Sektor?

Die Treibhausgas-Inventur erfasst im LULUCF-Sektor, wie Menschen das Land bewirtschaften und nutzen und welche Auswirkungen dies auf die Treibhausgas-Emissionen (CO2, CH4, N2O) hat. Dabei wird auf Wälder, Ackerland, Grünland, Feuchtgebiete, Siedlungsraum und Sonstiges Land (beinhaltet alle Flächen, die nicht in den zuvor genannten Kategorien enthalten sind) Bezug genommen. Als Basis wird eine jährliche Flächenänderungsbilanz erstellt, in der alle Änderungen zwischen den Landnutzungskategorien (z.B. Umwandlung von Grünland zu Siedlungsraum) erfasst werden. Zusätzlich werden in der Kategorie Holzprodukte die Veränderungen des gespeicherten Kohlenstoffs in verbauten und verwendeten Produkten aus Holz, Platten und Papier auf Basis von in Österreich geerntetem Holz und daraus in Österreich erzeugten Produkten erhoben.

Für die Kategorien Wald, Ackerland, Grünland, Feuchtgebiete, Siedlungsraum und Sonstiges Land wird die Veränderung der Kohlenstoffspeicher durch die Landnutzung, Landnutzungsänderung und -Landbewirtschaftung berechnet und in Kohlenstoffdioxid (CO2 ) umgerechnet. Die Kohlenstoffspeicher sind: Ober- und unterirdische Biomasse (z.B. Bäume inkl. Wurzel), Totholz, Auflagehumus und Boden (mineralische und organische Böden). 

Zusätzlich werden auch Methan- und Lachgas-Emissionen (CH4 und N2O) berechnet, die durch die Entwässerung organischer Böden (Drainagierung) sowie durch Wald-, Flur- und Schilfbrände entstehen. Wenn die Landnutzung oder -bewirtschaftung dazu führt, dass der Bodenkohlenstoffvorrat abnimmt, kommen in der Bilanz ebenfalls Lachgas-Emissionen dazu. 

Was sind Emissionen und Senken im Sektor LULUCF?

Im LULUCF-Sektor wird berechnet, wie sich die Nutzung und Bewirtschaftung von Land auf die Kohlenstoffvorräte unserer Ökosysteme auswirken. 

Wenn die Kohlenstoffvorräte verringert werden und Kohlenstoffdioxid, Methan oder Lachgas in die Atmosphäre gelangen, spricht man von Emissionen.
Wenn die Kohlenstoffvorräte erhöht werden und mehr Kohlenstoffdioxid aufgenommen als abgegeben wird, spricht man von einer Senke

Das Ergebnis des LULUCF-Sektors beinhaltet die Summe aller Emissionen und Senken, die durch die Landnutzung und –bewirtschaftung entstehen. 

Wie unterscheidet sich der Sektor LULUCF vom Sektor Landwirtschaft?

Im Sektor LULUCF wird berechnet, wie sich die Bewirtschaftung und Nutzung von Land auf die Kohlenstoffspeicherung auswirkt.

Im Sektor Landwirtschaft hingegen werden die Emissionen durch Tierhaltung, Düngemanagement und Düngung (Methan und Lachgas) berechnet.

Warum sind Wald- und Landbewirtschaftung und Landnutzungsänderungen für die Klimabilanz wichtig?

Je nachdem wie das Land genutzt bzw. bewirtschaftet wird, können die Kohlenstoffspeicher netto mehr Kohlenstoffdioxid aus der Atmosphäre aufnehmen (Senke), oder aber auch netto mehr CO2 oder CH4, und N2O freisetzen (Emission). 

Der LULUCF-Sektor ist deshalb für die Klimabilanz so wichtig, weil er, so lange es noch keine anderen technischen CO2-Speichermöglichkeiten gibt, der einzige Sektor ist, der erhebliche Mengen an CO2 speichern kann. Es ist nämlich nicht möglich, alle Treibhausgas-Emissionen auf Null zu reduzieren. Verbleibende Emissionen (z.B. aus der Landwirtschaft) müssen durch Senken kompensiert werden, um das für das Abwenden dauerhafter negativer Klimawandelfolgen notwendige Gleichgewicht zwischen anthropogenen Emissionen von Treibhausgasen und deren Abbau durch Senken gemäß Paris-Agreement zu erreichen. 

Was verursacht die starken jährlichen Schwankungen bei den Emissionen und Senken im LULUCF-Sektor?

Die jährlichen Schwankungen im LULUCF-Sektor entstehen in Österreich vor allem durch die Kohlenstoffänderungen im Wald. Diese werden durch Veränderungen des Zuwachses von Biomasse, der Holznutzung, durch Absterben von Bäumen (u.a. aufgrund von Kalamitäten) sowie durch Veränderungen der Kohlenstoffvorräte in den Böden verursacht. Auch klimabedingte Ereignisse wie Trockenheit, Stürme und Borkenkäferbefall haben Auswirkungen: Sie führen zu einer erhöhten Entnahme von Schadholz und einem geringeren Zuwachs der Biomasse. Damit wird die Senkenwirkung verringert und die CO₂-Bilanz des LULUCF-Sektors erheblich beeinflusst.

Welche Landnutzungskategorien gehören zum LULUCF-Sektor?

Neben Wald zählen auch Ackerland, Grünland, Feuchtgebiete, Siedlungsraum und Sonstiges Land (beinhaltet alle Flächen, die nicht in den zuvor genannten Kategorien enthalten sind) zum LULUCF-Sektor.

Welche Rolle spielen organische Böden im LULUCF-Sektor?

Organische Böden wie beispielsweise Moore speichern viel Kohlenstoff. Um solche Böden bewirtschaftbar zu machen, wurden diese früher entwässert. Durch die Entwässerung setzen sie über lange Zeiträume große Mengen Kohlenstoffdioxid frei und erhöhen so die Treibhausgas-Emissionen. Eine Wiedervernässung kann diese Emissionen stoppen.

Welche Rolle spielen Holzprodukte im LULUCF-Sektor?

Holz speichert Kohlenstoff. Wird Holz zu besonders langlebigen Produkten, wie zum Beispiel zu Möbel oder Baumaterialien verarbeitet, wirkt sich das positiv auf die Klimabilanz aus, da das COder Atmosphäre entzogen bleibt. Die internationalen Bilanzierungsregeln sehen vor, dass bei der Berechnung der Holzprodukte für Österreichs Bilanz nur in Österreich geerntetes und verarbeitetes Holz berücksichtigt werden darf. Wenn die Holzprodukte am Ende der Produktlebenszeit angelangt sind, wird das darin gespeicherte CO2 als Emission bilanziert. In Österreich sind Holzprodukte seit Jahrzehnten eine konstante Senke von durchschnittlich etwa 2,4 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr.

Zusätzlich weisen Holzprodukte über die Lebensdauer einen geringeren Treibhausgas-Fußabdruck und Energie-Fußabdruck als Produkte für die gleiche Dienstleistung aber aus anderen Rohstoffen auf. Dies hilft Emissionen in anderen Sektoren als dem LULUCF-Sektor zu vermeiden. 

Wie sieht die aktuelle Treibhausgas-Bilanz des LULUCF-Sektors in Österreich aus?

Im Jahr 2024 hat der LULUCF-Sektor in Österreich mehr Treibhausgase ausgestoßen als gespeichert. Die Emission betrug etwa 3,4 Millionen Tonnen CO2. Davon sind 2,7 Millionen Tonnen dem Wald zuzurechnen.

Was bedeutet Netto-CO2-Senke und wie hat sie sich seit 1990 entwickelt?

Netto-CO₂-Senke bedeutet, dass die Kohlenstoffspeicher mehr Kohlenstoffdioxid (CO₂) aus der Atmosphäre aufnehmen, als von ihnen als CO2, CHund N2O emittiert wird. Sie ergibt sich aus der Summe von CO2 Senken und CO2, CH4 und N2O Emissionen. 

Die jährliche Netto-CO2-Senke des LULUCF-Sektors ist in Österreich seit 1990 stark zurückgegangen. 
Während zu Beginn der 1990er Jahre noch jährlich rund 15 Millionen Tonnen CO₂ durch Wälder gespeichert wurden, sind die Senken seit Ende der 2010er Jahre deutlich zurückgegangen. In den Jahren 2018, 2019, 2023 und 2024 ist der Sektor sogar zu einer CO₂-Quelle geworden.

Betrachtet man die kumulative Netto-Senkenleistung des Waldes seit 1961, das Jahr seitdem es in Österreich Waldinventuren gibt, so hat der Wald bis heute in diesem Zeitraum rund 535 Millionen Tonnen CO2 zusätzlich in der Biomasse gespeichert.  Für das aus dem österreichischen Wald genutzte Holz bedeutet dies, dass es aus einem System stammt, das die Atmosphäre nicht mit CO2 beaufschlagt. Zum Vergleich, im Jahr 2024 hat Österreich Treibhausgase in der Höhe von rund 67 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent emittiert.

Kann der Wald eine dauerhafte Netto-CO2-Senke darstellen?

Es ist unmöglich, dass ein Wald eine dauerhafte Netto-CO2-Senke darstellt.

Sowohl ein bewirtschafteter als auch ein unbewirtschafteter Wald erreichen irgendwann ein Gleichgewicht, ab dem keine weitere Netto-CO2-Senke möglich ist. Im unbewirtschafteten Wald ist der Kohlenstoff-Vorrat in der Regel höher als in einem bewirtschafteten Wald. Ein bewirtschafteter Wald ermöglicht die Holznutzung und den Aufbau eines langfristigen zusätzlichen Kohlenstoffspeichers durch langlebige Holzprodukte (etwa im Bau), wodurch das CO2 der Atmosphäre entzogen bleibt. Dazu kommt, dass Holzprodukte zumeist einen geringeren CO2- und Energie-Fußabdruck über ihre Lebenszeit haben als Produkte mit gleicher Funktion, die aus anderen Rohstoffen hergestellt werden.

Wie beeinflusst der Klimawandel den LULUCF-Sektor, insbesondere den Wald?

Der Klimawandel hat v.a. negative Auswirkungen auf den Wald. Er führt bei extremer Trockenheit zu geringeren Zuwächsen in der Biomasse, zu erhöhtem Schadholzaufkommen (z.B. durch Trockenheit, Stürme und Borkenkäfer), und zu einem Verlust von Kohlenstoff im Waldboden. Dadurch wurde der Wald in den letzten Jahren immer wieder zur Emissionsquelle statt zur Senke, wie in den Jahrzehnten davor. Im Gegenzug dazu, hat der Totholzvorrat im Wald in den letzten Jahren stärker zugenommen als in den vergangenen Jahrzehnten davor, in denen es eine leichte Zunahme gab. Insgesamt liefert das Totholz jedoch im Vergleich zur Biomasse nur einen kleinen Beitrag zum Gesamtergebnis.

Im Zusammenhang mit Schadereignissen im Wald ist wichtig zu erwähnen, dass das Forstgesetz den Waldbesitzer:innen vorschreibt, sofortige Maßnahmen zu ergreifen, um eine Ausbreitung von Schädlingen (z.B. Borkenkäfer) zu verhindern. Das bedeutet, die Waldbesitzer:innen sind dazu angehalten bereits betroffene Bäume, aber auch jene, welche davon bedroht sind, möglichst rasch zu ernten.

Die Holzeinschlagsmeldung Österreichs zeigt, dass die Schadholznutzungen seit 2000 signifikant zugenommen haben und in manchen Jahren sogar über der regulären Nutzung lagen, während die regulären Nutzungen im selben Zeitraum leicht rückläufig sind. 

Holzeinschlagsmeldung (HEM): https://www.bmluk.gv.at/themen/wald/wald-in-oesterreich/wald-und-zahlen/Holzeinschlag.html

Trends zur Holznutzung in Österreich lt. Holzeinschlagsmeldungen seit 2000

Der Wald ist also einerseits stark vom Klimawandel betroffen, andererseits kommt ihm auch eine große Rolle im Klimaschutz zu, da er in den vergangenen Jahrzehnten große Mengen an CO2 gespeichert hat. Für die Zukunft ist es daher wichtig, die Wälder an den Klimawandel anzupassen, z.B. durch die Anpflanzung und Förderung klimafitter Baumarten. Die vom Umweltbundesamt geleitete Studie „Care4Paris“ hat gezeigt, dass diese wichtige Anpassungsmaßnahme kurzfristig zu geringeren Senken oder gar Emissionen im Wald führen kann. Jedoch zeigen die Simulationen, dass mittelfristig bzw. nach ca. 20 Jahren wieder höhere Senken zu erwarten sind, weil die frisch gepflanzten Bäume dann in die zuwachsstarke Phase kommen. 

Welche Rolle spielt die Holznutzung für LULUCF, insbesondere die Bilanz des Waldes?

Der Wald hat viele wichtige ökologische, ökonomische und gesellschaftliche Funktionen, die im Forst-Gesetz definiert sind. Die nachhaltige Bewirtschaftung, also Nutzung und Pflege des Waldes, müssen so ausgestaltet sein, dass der Wald diese Funktionen dauerhaft erhalten kann. Nachhaltige Bewirtschaftung bedeutet bezüglich Holznutzung auch, dass dem Wald nicht mehr Holz entnommen wird als jährlich zuwächst. Die nachhaltige Bewirtschaftung stellt also prinzipiell sicher, dass laufend nutzbares Holz zur Verfügung steht und der Wald nicht (oder nur in einzelnen Jahren mit massiven Schadereignissen) zu einer Netto-Emissionsquelle wird.

In der Treibhausgas-Bilanz des Waldes werden sowohl der Biomasse-Zuwachs als auch die Biomasse-Abgänge berücksichtigt. Die Abgänge beinhalten nicht nur die betrieblich geplante Holznutzung (inkl. Holzentnahme bei Durchforstungen), sondern auch ungeplante Nutzungen von Schadholz und natürliche Abgänge durch das Absterben von Bäumen durch natürliche Prozesse. Laut den Ergebnissen der Österreichischen Waldinventur des BFW (https://www.waldinventur.at/#/ ), die die wichtigsten Grundlagen für die THG-Bilanz des Waldes sind, war der natürliche Abgang durchwegs unter 10 % des gesamten Abgangs, stieg in den letzten Jahren aber Kalamitäten-bedingt auf über 10% an.

Die Menge der Biomasse-Abgänge schwankt jährlich und ist von vielen verschiedenen Faktoren beeinflusst. Neben ökonomischen Faktoren, wie z.B.: notwendige Durchforstungen, Holzpreise, betriebliche Kosten, Verfügbarkeit von Arbeitskräften, spielen auch natürliche Gegebenheiten eine Rolle, insbesondere die zunehmenden, klimabedingten Schadereignisse die zu erhöhten, gesetzlich vorgeschriebenen Kalamitätsnutzungen bzw. erhöhter Mortalität führen (siehe Frage: Wie beeinflusst der Klimawandel den LULUCF-Sektor).

Reicht es die (geplante) Nutzung zu reduzieren, um die Treibhausgas-Bilanz des LULUCF-Sektors zu verbessern?

Eine Reduktion der (geplanten) Nutzung kann kurzfristig zu niedrigeren Emissionen durch reduzierte Biomasse-Abgänge führen. Jedoch nur solange die ungeplanten Nutzungen und natürlichen Abgänge nicht zumindest im selben Ausmaß zunehmen. In den vergangenen Jahren machte in Österreich der Anteil an ungeplanter Holznutzung mehr als die Hälfte der Gesamtnutzung aus. Eine Reduktion der Nutzung hätte auch Auswirkungen auf den Holzproduktevorrat, der bilanziert wie viele Holzprodukte aus heimischem Holz jährlich produziert und wie viele am Ende der Lebensdauer ausscheiden. Werden weniger Holzprodukte produziert, ist es leicht möglich, dass dieser Vorrat zur Emissionsquelle wird, wenn in der Vergangenheit mehr produziert wurde. 

Welche EU-Ziele gibt es für den LULUCF-Sektor?

Die EU hat für die Periode 2021-2025 und die Periode 2026-2030 verbindliche Ziele für jedes EU-Mitgliedsland für den LULUCF-Sektor gesetzt. Ob Österreich die Ziele für die erste Periode 2021-2025 erreichen wird, steht im Frühjahr 2027 fest, wenn die Treibhausgasbilanz bis inklusive dem Jahr 2025 vorliegen wird.

Laut den aktuellen Daten (bis inkl. 2024) besteht das Risiko, dass Österreich diese Klimaziele nicht erreichen kann.

Wie werden die Treibhausgas-Daten des LULUCF-Sektors berichtet und geprüft?

Die Treibhausgas-Inventur wird nach den internationalen Vorgaben der Klimarahmenkonvention (UNFCCC) und den EU-Verordnungen ((EU) 2018/8411 und (EU) 2018/19992) erstellt. Diese schreiben vor, dass die Methoden der 2006 IPCC-Richtlinien für Nationale Treibhausgas-Inventuren3 verwendet werden müssen. Die Treibhausgas-Inventur wird jährlich mit den aktuellen Daten, Studien und Methoden aktualisiert.

Die Daten sowie ein Nationales Inventurdokument (NID), müssen jedes Jahr an das UN-Klimasekretariat der Klimarahmenkonvention und die EU berichtet werden. Sowohl das Klimasekretariat als auch die EU führen jährlich detaillierte Prüfungen (sogenannte Reviews) der Daten und Inventurberichte durch, um die Qualität der nationalen Inventuren zu sichern.


1(EU) 2018/841

2(EU) 2018/1999

3Nationale Treibhausgas-Inventuren

Wann werden die Ergebnisse zur LULUCF-Treibhausgas-Inventur veröffentlicht?

Die Treibhausgas-Inventur wird jedes Jahr als Entwurf am 15. Jänner und am 15. März als finale Version an die EU und das Klimasekretariat übermittelt. 

Der Bericht (NID) und die Daten werden jährlich veröffentlicht: Methodischer Bericht zur Treibhausgas-Inventur