Stickstoff im Fokus

Stickstoff hat eine besondere Bedeutung für Landwirtschaft und Umwelt, sowohl als bestimmender Nährstoff für den Pflanzenertrag, als auch als Ursache für Umweltprobleme, wenn der Stickstoff in die Gewässer als Nitrat, oder in die Luft als Ammoniak- oder Lachgas-Emissionen gelangt.

Foto Person mit Tablet

Österreichische Stickstoff- und Phosphorbilanz der Landwirtschaft nach EUROSTAT-Vorgaben

In einem aktuellen Report wird die österreichische Stickstoff- und Phosphorbilanz der Landwirtschaft nach den Vorgaben des EUROSTAT/OECD-Handbuchs für die Jahre 2012–2023 dargestellt. Die Datengrundlagen wurden überarbeitet und aktuelle methodische Änderungen auf Basis der EU-SAIO (Statistics on Agricultural Inputs and Outputs)-Verordnung vorgenommen.
Die Ergebnisse zeigen, dass der Brutto- und Netto-Stickstoff-Überschuss pro Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche im Zeitraum 2012–2023 tendenziell rückläufig ist. In den Jahren 2012–2023 betrug der Jahresmittelwert der Brutto-Stickstoffbilanz 40 kg N/ha, jener der Netto-Stickstoffbilanz 14 kg N/ha. 
Auch das Phosphor-Bilanzergebnis geht seit 2012 tendenziell zurück und in den letzten vier Jahren wurden negative Werte (-0,9 bis -1,9 kg P/ha/Jahr) ermittelt.

Studie: Österreichische Stickstoff- und Phosphorbilanz  

Nationales Stickstoffbudget für Österreich

Das Umweltbundesamt hat erstmals ein nationales Stickstoffbudget nach harmonisierten, internationalen Standards gemäß EPNB-Leitfaden erstellt. Es beschreibt die Mengen, Quellen und Senken der reaktiven Stickstoffverbindungen in Österreich für den Zeitraum 2015 bis 2019.

Das nationale Stickstoffbudget ist eine wichtige Grundlage für ein strategisches Stickstoffmanagement, um Stickstoff nachhaltig zu nutzen, eine Basis für die Evaluierung der umgesetzten Maßnahmen zu schaffen und um Stickstoff-Flüsse über die Zeit zu monitoren. Es zeigt, dass die größten Ein- und Austräge von Stickstoff in Österreich die Importe und Exporte für die Konsumgüterindustrie und die chemische Industrie darstellen. Ein weiterer, großer Zufluss erfolgt durch den Import von Energieträgern. Direkte Einträge reaktiver Stickstoffverbindungen in die Umwelt entstehen vorrangig in den Sektoren Landwirtschaft, Energiewirtschaft und Verkehr. 

Die Herangehensweise und die detaillierten Ergebnisse sind im Bericht Nationales Stickstoffbudget (2015-2019) gemäß EPNB-Leitfaden veröffentlicht. In einem Factsheet sind die wichtigsten Ergebnisse zusammengefasst. 

Report Nationales Stickstoffbudget
Factsheet Nationales Stickstoffbudget
Austrian nitrogen budget following UNECE guidance

N-Bilanzen für Grundwasserkörper 

Im Rahmen der Ist-Bestandsanalyse der österreichischen Gewässer 2019 zur Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie wurden im Auftrag des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Regionen und Wasserwirtschaft die regionalen Stickstoffbilanzen für die Grundwasserkörper in Österreichermittelt. 

Regionale Stickstoffbilanzen 2012-2018
Regionale Stickstoffbilanzen 2009-2012

Modellierung von Lachgas-Emissionen

In dem - vom Klima- und Energiefonds geförderten - ProjektFarmClim (Universität für Bodenkultur, Karl-Franzens-Universität Graz, AGES, Landwirtschaftskammer NÖ, Bundesamt und Forschungszentrum für Wald und Umweltbundesamt) wurden Stickstoffflüsse und Treibhausgasemissionen in der österreichischen Landwirtschaft untersucht und Maßnahmen zur effizienteren Stickstoffnutzung bzw. zur Verringerung von Emissionen erarbeitet.
Projekt FarmClim  

Darauf aufbauend wurden im - vom Klima- und Energiefonds geförderten - Projekt NitroAustria (Universität für Bodenkultur, AGES, Bundesamt und Forschungszentrum für Wald und Umweltbundesamt) die Lachgas-(N2O-) Emissionen aus Acker- und Grünlandböden in sechs österreichischen Landwirtschaftsgebieten mit dem Modell LandscapeDNDC modelliert. Innerhalb von zehn Jahren (2005-2014) schwankten die kumulierten N2O Emissionen zwischen 3 und 35 kg N2O-N ha-1. Der IPCC-Standardwert für direkte N2O-Emissionen von 0,01 kg N2O-N/kg N erwies sich für die österreichischen Verhältnisse im Mittel als passend. Für regionale Abschätzungen der Lachgasemissionen wären genaue Daten über die auf Grünland und Ackerflächen ausgebrachten Düngermengen (Mengen, Art, Zeitpunkt) erforderlich. Die höchsten Emissionen korrelierten jedenfalls positiv mit dem im Boden verfügbaren Stickstoff und der Bodentemperatur und fanden hauptsächlich in der Vegetationsperiode statt.
Endbericht zum Projekt NitroAustria 

Vergärung von Wirtschaftsdüngern in Biogasanlagen

Die Verwertung von (landwirtschaftlichen) Reststoffen und Abfällen als Energieträger ist Teil der Maßnahmen der Klima- und Energiepolitik Österreichs. Die Vergärung von Wirtschaftsdüngern in Biogasanlagen vereint Klimaschutz und ressourcenschonende Wirtschaftsweise. Methan und Lachgasemissionen werden reduziert und tragen zu Treibhausgas-Einsparungen vor allem in den Bereichen Landwirtschaft und Energie bei. Das Umweltbundesamt beschäftigte sich mit Mengenabschätzungen zu den verfügbaren Düngermengen und Einsparungspotentialen und hat die Ergebnisse in einem Bericht publiziert. 

Report: Vergärung von Wirtschaftsdüngern in Biogasanlagen

Ammoniak

Das Umweltbundesamt hat die Effekte von Maßnahmen zur Minderung von Ammoniak-Emissionen im Sektor Landwirtschaft untersucht:
Maßnahmenpotenziale zur Ammoniakreduktion in der Landwirtschaft 2023

Weiters misst das Umweltbundesamt Ammoniak-Konzentrationen an ausgewählten Standorten in der Außenluft: Ammoniak-Messungen in der Außenluft Österreich