Sektor Landnutzung, Landnutzungsänderung und Wald (LULUCF)
Der LULUCF Sektor ist einer von sechs Sektoren der nationalen Treibhausgasinventur, in dem die Auswirkungen der Bewirtschaftung von Land und Landnutzung auf die Kohlenstoffvorräte in Biomasse, Totholz, Auflagehumus und Boden bilanziert werden. Anders als die restlichen Sektoren gibt es im LULUCF Sektor nicht nur Emissionen, sondern auch CO2-Senken, also die Aufnahme von Kohlenstoff aus der Atmosphäre. Das Ergebnis des LULUCF Sektors ist daher ein Netto-Ergebnis, nämlich die Summe aus Emissionen und Senken.
Der LULUCF Sektor bilanzierte in der Vergangenheit als große Netto-Senke. Jedoch zeigt diese Netto-Senke seit 1990 einen deutlich abnehmenden Trend: von rund 17 Mio. Tonnen CO2-Äquivalent pro Jahr Anfang der 90-er Jahre auf geringe Senken in den Jahren 2020, 2021 und 2022 bis zu einer Netto-Quelle in den Jahren 2018, 2019, 2023 und 2024.
Das Ergebnis des LULUCF Sektors ist v.a. durch die Emissionen und Senken im Wald geprägt. Die deutlichen jährlichen Schwankungen, die für die gesamte Zeitreihe eine Bandbreite von -24 Mio. t bis +6,7 Mio. Tonnen CO2-Äquivalent umspannen, resultieren v.a. aus Änderungen im Biomassezuwachs und der Holznutzung, sowie natürlichen Abgängen (z.B. durch Absterben) , und Änderungen im Bodenkohlenstoff im Wald.
Die letzten Jahre sind geprägt vom Klimawandel. Neben den hohen ungeplanten, klimabedingten Schadholznutzungen (v.a. aufgrund des Borkenkäfers wegen Trockenheit, Sturm und Eis), führen auch vereinzelte klimabedingte Einbrüche des Zuwachses und der temperaturbedingte Verlust von Kohlenstoff im Waldboden dazu, dass die Senkenwirkung des Waldes deutlich abnimmt oder sogar in einzelnen Jahren zu einer wesentlichen Emissionsquelle wird. Holzprodukte, die aus Holz aus Österreichischem Wald produziert wurden, sind seit 1990 eine durchgehende Netto-Senke (im Durchschnitt – 2,4 Mio. Tonnen CO2 pro Jahr).
Die anderen LULUCF-Subkategorien (Ackerland, Grünland, Feuchtgebiete, Siedlungsraum und Sonstiges Land) sind im Vergleich zu Wald und Holzprodukte eine Größenordnung kleiner und stellen, mit Ausnahme weniger Jahre bei Ackerland, durchwegs Netto-Emissionsquellen dar.
Im Jahr 2024 stellt der LULUCF Sektor eine Quelle für Treibhausgas-Emissionen in der Höhe von ca 3,4 Mio. Tonnen CO2-Äquivalent dar.
LULUCF Ziele
Österreich hat für den LULUCF Sektor für die Perioden 2021-2025 und 2026-2030 verbindliche Klimaziele auf EU-Ebene, die im Rahmen der LULUCF Verordnung (EU) 2018/841 bzw. deren aktualisierter Version (EU) 2023/839 geregelt werden. Die Anrechnung von Emissionen und Senken aus dem Sektor Landnutzung, Landnutzungsänderung und Wald (Land-use, land-use change and forestry, LULUCF) erfolgt nach einem komplexen Anrechnungsregelwerk und ist für jede Periode unterschiedlich. Das Anrechnungsregelwerk für die aktuelle Periode 2021–2025, welches je nach Landnutzungskategorie aus unterschiedlichen Regeln besteht, legt fest, dass die anrechenbaren Emissionen (Lastschriften) nicht höher sind als die anrechenbaren Senken (Guthaben). Dieses Ziel wird auch „No debit rule“ genannt. Die erste Ziel-Periode 2021-2025 wird im Jahr 2027 abgerechnet, wenn die Ergebnisse der Treibhausgasbilanz bis zum Jahr 2025 zur Verfügung stehen.
Für die zweite Anrechnungsperiode 2026-2030 gibt die EU den Mitgliedsländern das Ziel vor, im Jahr 2030 eine um 15 % höhere Senke im LULUCF-Sektor zu erreichen als der Mittelwert der Jahre 2016–2018. Für Österreich bedeutet das, dass es im Jahr 2030 eine um 0,879 Mio. Tonnen CO2-Äquivalent höhere Senke haben muss als in den Jahren 2016-2018. Der finale Zielwert für 2030 wird allerdings erst im Jahr 2032 ermittelt, wenn die Treibhausgasbilanz für das Jahr 2030 an die Europäische Kommission berichtet wird. Zusätzlich gibt es für die Jahre 2026-2029 einen linearen LULUCF-Zielpfad, welcher ein Treibhausgas-Budget definiert, das für diese Jahre eingehalten werden muss.

