Im Interview: Markus Preiner & Christian Stein, Energie AG OÖ

"Die Digitalisierung wird zur Versorgungssicherheit und Energiewende benötigt." 

Foto Markus Preiner
Ing. Dr. Markus Preiner ist im Unternehmen für die Konzernstrategie und Public Affairs zuständig

Welchen Beitrag leistet die Digitalisierung zur Balance von Angebot und Nachfrage im Energiesektor?

Preiner: Die Energie- und Klimastrategie 2030 erfordert einen hohen Ausbaugrad erneuerbarer Energien wie zum Beispiel der Photovoltaik. Eine unserer zentralen Aufgaben ist es, die volatile Einspeisung von etwa 100.000 zusätzlichen Anlagen pro Jahr zu gewährleisten und die Prognosequalitäten zu erhöhen. Big Data unterstützt uns dabei, etwaige drohende Leistungsabfälle auszutarieren. Hier wird die Anforderung an das Stromnetz sehr groß und damit Digitalisierung zur Versorgungssicherheit und besseren Kenntnis über Wettergegebenheiten dringend benötigt. Mit der Digitalisierung wird es andererseits auch möglich, den zeitnahen Verbrauch an die Erzeugung anzupassen. Smart Meter sind hier das Werkzeug, den Kunden über dynamische Tarife dazu zu motivieren, Elektrogeräte dann in Betrieb zu nehmen, wenn die Sonneneinstrahlung am stärksten ist.

Welche Kernelemente der Digitalisierung gewährleisten die Versorgungssicherheit?

Stein: Die Digitalisierung nutzt einerseits Daten, die über Smart Meter erfasst werden können. Auf der Erzeugungsseite bekommt man die erforderlichen Daten über die Verknüpfung verschiedener Datenquellen wie Wetter- und Windprognosen, die Anlagen selbst oder auch sogenannten Sky Cameras. Daraus werden neue Prognosemodelle generiert, was nur funktioniert, wenn ich ausreichend Daten in guter Qualität habe. Mit steigender Quantität wird auch die automatisierte Verarbeitung der Daten immer wichtiger. Hier kommen dann Technologien wie künstliche Intelligenz ins Spiel.

Foto Christian Stein
MMag. Christian Stein leitet die Innovationsaktivitäten der Energie AG in der Wertstatt 8 GmbH, einer 100 % Tochter der Energie AG

Wo sehen Sie Potenzial, dass durch die Digitalisierung der Energieverbrauch gesenkt oder die Energieeffizienz gesteigert wird?

Stein: Das ist wahrscheinlich ein zweischneidiges Schwert, weil wir natürlich sehen, dass Digitalisierung auch mehr Energieverbrauch bedeutet, wenn ich mir zum Beispiel anschaue, dass eine Bitcoin-Transaktion aktuell auf rund 500 kWh geschätzt wird. Nichtsdestotrotz kann man Digitalisierung auch dazu verwenden, den Energieverbrauch zu senken. Über die Befähigung der Konsumentinnen und Konsumenten, indem ich ihnen die Daten zu ihrem Energieverbrauch und Kosten beispielsweise über eine App zur Verfügung stelle und damit ein Bewusstsein schaffe, mit welchen Maßnahmen sie mit den Energiekosten runter kommen. Auch im B2B-Bereich, bei Gewerbe und Industrie, kann die Digitalisierung sehr viel zu Energieeffizienz beitragen, beispielsweise über die Optimierung von Prozessen, über die vorbeugende Wartung oder die Kontrolle des Ressourceneinsatzes.

Preiner: Wo ich einen großen Hebel sehe, ist das Thema Verkehr mit ca. einem Drittel Energieverbrauch und knapp unter 50 % CO2-Emissionen im Non-ETS. Bei der E-Mobilität könnte ein vernetztes Auto einen extremen Mehrwert schaffen, indem ich hier die bestehenden Ressourcen wie Infrastruktur und Verkehrsteilnehmer besser aufeinander abstimme. Durch den ständigen Dialog zwischen autonom fahrenden E-Autos und ihrer Umgebung lassen sich mittels Digitalisierung die Verkehrsströme optimieren und so Energie einsparen. Als Energieversorger stellen wir auch die hierzu erforderliche flächendeckende IKT-Infrastruktur zur Verfügung wie zum Beispiel mit Lichtwellenleiter. Digitalisierung wirkt hier unterstützend und beschleunigend, um den volatilen Strom über die Sektorkopplung zum Beispiel in die E-Mobilität zu bringen.

 

Die Energie AG Oberösterreich ist Anbieter für Strom, Gas, Wärme, Wasser sowie Entsorgungs- und IKT-Dienstleistungen. Das Segment Energie umfasst das Kerngeschäft des Konzerns und beinhaltet alle Stufen der Wertschöpfungskette des Stromgeschäftes sowie die Bereiche Erdgas und Wärme.

 

Das Interview führten Elisabeth Heninger und Helmut Frischenschlager, UmweltbundesamtexpertInnen für den Energiesektor. 

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