MONARPOP 2025: Alpen als Kältefalle für Schadstoffe
Neue Messungen für wirksame Risikovorsorge
Vor 20 Jahren erfolgte der Startschuss für das Projekt MONARPOP - einer Zusammenarbeit von fünf Staaten zur Untersuchung von langlebigen Schadstoffen wie Dioxinen, DDT und Lindan (POPs) in den Alpen. Während man bis dahin vor allem die Verschleppung dieser Schadstoffe bis in die Polarregionen (das sogenannte „Cold Trapping“) untersucht hatte, zeigte MONARPOP, dass Spuren langlebiger Schadstoffe bis in den Höhen von Alpengipfeln abgelagert wurden. Aufbauend auf diesem Projekt wurden seit damals POPs in Luft- und Niederschlagsproben am Sonnblick und auf der Zugspitze regelmäßig untersucht.

Zum 20-Jahr-Jubiläum von MONARPOP wurde 2025 eine neue Messreihe durchgeführt. Dazu werden Boden, Humus und Fichtennadeln an mehreren Standorten untersucht. Nahe dem Sonnblick Observatorium werden Proben entlang eines Höhenprofils von den Tallagen bis in die Hochalpen untersucht. Zusätzlich zu den im ursprünglichen Projekt analysierten POPs werden nun auch einige PFAS untersucht. Durch den Vergleich mit den Ergebnissen von MONARPOP lassen sich Veränderungen bei persistenten organischen Schadstoffen (POPs) und die Wirkung internationaler Chemikalienpolitik sichtbar machen und Risiken für die Zukunft frühzeitig erkennen. Das Umweltbundesamt führt im Auftrag des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaftdas Projekt in Österreich durch und koordiniert die Datenzusammenführung mit dem Bayerischen Landesamt für Umwelt (LfU Bayern).
„Monarpop zeigt, wie sich die Belastung durch langlebige Schadstoffe in den Alpen über 20 Jahre verändert hat und erweitert zugleich den Blick auf neue langlebige organische Stoffe – für den Schutz von Mensch und Umwelt.“
Messungen auf den Alpengipfeln
Zwischen 2005–2008 haben Expert:innen des Umweltbundesamts gemeinsam mit Partnern aus den Alpenanrainerstaaten (Deutschland, Schweiz, Italien und Slowenien) erstmals systematisch POP-Konzentrationen erhoben. Damals wurden in Österreich 17 Standorte mit 25 Beprobungen untersucht, im gesamten Alpenraum 40 Standorte mit insgesamt 65 Beprobungen. Rund 20 Jahre später werden die Messungen an ausgewählten Punkten wiederholt - länderübergreifend und entlang von drei Höhenprofilen, an jeweils mehreren Standorten von tieferen Lagen bis in die Hochalpen. So wird sichtbar, wie sich POP-Belastungen mit der Höhe verändern.
Die Probenahmepunkte liegen weitab direkter Emissionsquellen als typische Hintergrundstandorte, überwiegend in fichtendominierten Wäldern auf rund 1.500 Metern Seehöhe. Die Fichtennadeln zeigen den aktuellen Eintrag von Schadstoffen, während Humus und Mineralboden eher das Langzeitgedächtnis des Standorts abbilden.
Der Blick richtet sich auf klassische und neu regulierte POPs. Untersucht werden unter anderem per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS). Grundlage ist die laufend aktualisierte POP-Liste im Rahmen des Stockholmer Übereinkommens; aktuell umfasst sie insgesamt 34 Stoffe. Alle Stoffe werden im Rahmen von MONARPOP untersucht.

Warum die Alpen entscheidend sind
Die Alpen wirken meteorologisch als Barriere und Kältefalle: In den Alpen sind Luftkonzentrationen vieler POPs meist niedriger als in Städten – Einträge über Niederschlag oder Schnee können jedoch vergleichbar hoch sein. Genau das macht die Hochlagen zu einem Frühwarnraum – Einträge werden sichtbar, bevor Belastungen in Ökosystemen und Nahrungsketten kritische Schwellen erreichen.
Datenlage & Ausblick
Die Probenahmen von MONARPOP in allen österreichischen Bundesländern im Alpenraum wurden mit Herbst 2025 abgeschlossen. Im Jahr 2026 erfolgen Analyse und Aufbereitung, erste Ergebnisse werden im 1. Quartal 2027 erwartet. Laufende Monitoringdaten aus Luft- und Depositionsproben an Standorten wie Sonnblick und Zugspitze werden berücksichtigt. So können die punktuellen MONARPOP-Erhebungen in einen längerfristigen Kontext gestellt und mit bestehenden Zeitreihen verknüpft werden.
Internationaler Rahmen
Das Stockholmer Übereinkommen über persistente organische Schadstoffe (POPs – persistent organic pollutants) beschränkt für seine über 190 Teilnehmerstaaten die Herstellung und Verwendung von hochpersistenten und toxischen POPs. Um die Wirksamkeit des Übereinkommens zu prüfen, wurde das Globale Monitoring-Programm (GMP) ins Leben gerufen. Nach drei abgeschlossenen Runden läuft nun die vierte Phase (GMP-4): Die Vertragsstaaten gaben 2023 grünes Licht; aktualisierte Leitfäden und regionale Strategien für GMP-4 wurden im Jänner 2025 veröffentlicht. MONARPOP 2005-2007 sowie die darauf aufbauenden Luftmessprogramme lieferten wertvolle Beiträge zu den regionalen Montoringprogrammen. Auch MONARPOP 2025–2028 wird Daten in die europäische Sammlung und damit in die globale Berichterstattung des GMP liefern.

