Österreichs Kreislaufwirtschaft als Pulsgeber für Österreichs Wettbewerbsfähigkeit

Wien, 24. Februar 2025

Das Umweltbundesamt hat gemeinsam mit dem Centre of Economic Scenario Analysis (CESAR) im Auftrag des Kontext-Instituts für Klimafragen das Potenzial der heimischen Kreislaufwirtschaft analysiert. Fazit: Österreichs Kreislaufwirtschaft birgt ein großes Innovations- und Exportpotenzial und kann zum Pulsgeber für Österreichs Wettbewerbsfähigkeit werden. Österreich punktet mit einer hohen Zahl an Patentanmeldungen bei Wiederwendung, Recycling und Rückgewinnung.

Grüne Rohre liegen gestapelt übereinander.

Die Berechnungen mit dem MIO-ES Modell bestätigen das Wettbewerbspotenzial. Ein Exportboost bei Recyclingtechnologien und das Wachstum des inländischen Recyclingsektors bis 2030 wirken sich positiv auf Österreichs Volkswirtschaft aus, insbesondere auf Wertschöpfung und Arbeitsplätze. Der inländische Recyclingsektor ist stark in den europäischen Markt integriert, weshalb sein Wachstum ebenfalls einen Exportboost bewirkt. Die wichtigsten Zahlen:

  • Ein Exportboost von Recyclingtechnologien bringt 830 Millionen Euro zusätzliche Wertschöpfung und 9.100 zusätzliche Arbeitsplätze.
  • Ein Exportboost durch das Wachstum des inländischen Recyclingsektors bringt 1,3 Milliarden Euro zusätzliche Wertschöpfung und 11.300 zusätzliche Arbeitsplätze
  • Die beiden modellierten Marktimpulse ergänzen einander. Insgesamt generieren Recyclingexporte 2,2 Milliarden Euro zusätzliche Wertschöpfung und 20.300 zusätzliche Arbeitsplätze.

Die positiven Effekte entfalten sich entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Besonders profitieren Abfallwirtschaft, Maschinenbau, industrielle Zuliefererbranchen sowie handels- und dienstleistungsnahe Bereiche. Die Kreislaufwirtschaft wirkt damit als gesamtwirtschaftlicher Pulsgeber.

Die analysierten Potenziale für die Wettbewerbsfähigkeit bestehen aus zwei Teilen, dem Exportpotenzial von Recyclingtechnologien und dem Wachstum des inländischen Recyclingsektors.

Exportpotenzial von Recyclingtechnologien

Zunächst untersuchten die Expert:innen, wie stark österreichische Recyclingtechnologien international nachgefragt werden. Dafür wurden vom Umweltbundesamt Patentdaten (als Maß für technologische Stärke) ausgewertet und mit Außenhandelsdaten (zur Exportentwicklung) kombiniert. Das Ergebnis: Der Exportanteil österreichischer Recyclingtechnologien wächst bis 2030 jährlich um rund 1,4 Prozent.

Zusätzlich wurde angenommen, dass der Markt in der EU deutlich wächst. Grundlage dafür sind geschätzte zusätzliche Investitionen von rund 82 Milliarden Euro pro Jahr zur Erreichung der EU-Ziele für die Kreislaufwirtschaft. Daraus ergibt sich ein erwartetes EU-weites Marktwachstum von 31 Prozent bis 2030.

Wachstum des inländischen Recyclingsektors

Auch das Wachstumspotenzial des österreichischen Recyclingsektors selbst wurde analysiert. Die heimische Nachfrage bleibt im Modell unverändert, da sie in den letzten Jahren nur moderat gestiegen ist. Das erwartete Wachstum kommt daher vor allem aus dem Export.

Österreichische Recyclingunternehmen sind stark in europäische Wertschöpfungsketten eingebunden und beliefern zunehmend andere EU-Mitgliedstaaten mit Recyclingleistungen und aufbereiteten Sekundärrohstoffen. Deshalb wird das bisher beobachtete jährliche Exportwachstum von 16,6 Prozent bis 2030 fortgeschrieben.

Notwendige Rahmenbedingungen

Das Kontext Institut nennt in der Studie politische Maßnahmen, um diese Wettbewerbspotenziale zu heben. Dazu wurde eine Umfrage unter den wichtigsten Kreislaufwirtschaftsunternehmen und Expert:innen durchgeführt. Folgende Maßnahmen werden als notwendig erachtet: Eine Reformierung des Abfallrechts mit dem Ziel qualitätsgesicherte Sekundärmaterialien gegenüber Primärrohstoffen rechtlich gleichzustellen, die gesetzliche Verankerung eines Mindestanteils an Recyclingmaterialien und die Weiterführung der CO2-Bepreisung um Kostenunterschiede zwischen Primär und Sekundärrohstoffen zu reduzieren.  

Kreislaufwirtschaft als Pulsgeber für Österreichs Wettbewerbsfähigkeit