COIN2.0: Klimawandel kostet Österreich 1,9 bis 6,1 Mrd. Euro pro Jahr

Wien, 22. Oktober 2026

Klima- und wetterbedingte Ereignisse verursachten zwischen 2017 und 2024 in Österreich direkte Schäden und Verluste von durchschnittlich 3,7 Milliarden Euro pro Jahr. Zu diesem Ergebnis kommt eine umfassende Auswertung der Studie COIN 2.0 unter Leitung der Universität Graz. 

Hand hält vertrocknetes Maisblatt.

Trotz zahlreicher gesetzter Anpassungsmaßnahmen kam es in den letzten Jahren (insbesondere 2021, 2023, 2024) zu einer Häufung von besonders schadensintensiven Jahren – der diesjährige Dürresommer ist somit nicht ein einmaliger Ausreißer, sondern setzt den Trend fort.

Zu diesem Ergebnis kommt eine umfassende Auswertung der Studie COIN 2.0 die derzeit unter Leitung der Universität Graz von einem interdisziplinären Team mit mehr als 50 Fachleuten aus 12 Forschungseinrichtungen durchgeführt wird. Ziel der Studie ist es, die volkswirtschaftlichen und gesellschaftlichen Kosten der Folgen des Klimawandels in Österreich und deren Verteilung auf unterschiedliche Sektoren und Bevölkerungsgruppen umfassend darzustellen.

Mit Abschluss des ersten Studienjahres liegen nun Ergebnisse zu den bereits aufgetretenen Schäden und Verlusten vor, die durch das Umweltbundesamt mit Unterstützung des Wegener Centers der Universität Graz sowie des Wirtschaftsforschungsinstituts ausgewertet wurden. Im zweiten Studienjahr erfolgt die Abschätzung der Schadenskosten für die Zukunft (2050 und 2080) und es werden die Wirksamkeit und Grenzen von Anpassung zur Reduktion von Klimafolgekosten sowie die Belastungen für unterschiedliche Gruppen und auf den Arbeitsmarkt untersucht.

Bessere Datengrundlage zeigt: 2026 ist kein Ausnahmejahr

Im Zeitraum 2017–2024 entstanden durchschnittlich € 1 Mrd. direkte klima- und wetterbedingte Schäden an Vermögen und Ernteeinbußen pro Jahr in Österreich. Werden zusätzlich Verluste durch Todesfälle berücksichtigt, ergeben sich Kosten von durchschnittlich 3,7 Milliarden Euro pro Jahr. 

Jährliche klima- und wetterbedingte Schäden in Österreich im Zeitraum 2013 bis 2024.

Diese sogenannten Kosten des Nichthandelns umfassen direkte Schäden an Gebäuden und Infrastruktur, an Schutzbauten (Wildbach- und Lawinenverbauung), in der Land- & Forstwirtschaft und Verluste durch Todesfälle im Zusammenhang mit Hitze (Übersterblichkeit) sowie andere Extremwetterereignisse wie Hochwasser, Massenbewegungen, Gewittern und Sturm. Die Auswirkungen von graduellen klimatischen Veränderungen sowie Verluste durch Ökosystemdienstleistungen sind in diesen Zahlen nicht enthalten. Noch nicht berücksichtigt sind neben den nicht erfassten direkten Schäden auch negative volkswirtschaftliche Folgeeffekte, z. B. durch Schneemangel im Wintertourismus oder hitzebedingte Arbeitsproduktivitätsverluste. Diese verursachen je nach Bereich wiederum volkswirtschaftliche Multiplikatoreffekte, wenn z. B. im Tourismus mit rückläufigen Nächtigungen auch die Nachfrage in der lokalen Gastronomie und nach Freizeitausrüstung zurückgeht. 

Klima- und wetterbedingte Schäden nehmen zu

Die Schäden des Klimawandels haben seit der Vorgängerstudie COIN 1 (2015) zugenommen. Insbesondere die letzten Jahre (2021, 2023, 2024) waren besonders schadensintensive Jahre – und dies trotz gesetzter Anpassungsmaßnahmen. 

Die in COIN 2.0 erstmalig durchgeführte Gesamtschau aller national verfügbaren Datenquellen zeigt ähnliche Summen und Muster wie international anerkannte Referenzdatenbanken (MunichRe und CATDAT/EEA mit direkten Schäden von € 0,9 Mrd. bzw. € 0,8 Mrd. für den gleichen Vergleichszeitraum). Im Vergleich zu diesen Schadens-summen sind die nationalen Abschätzungen jedoch umfassender, erlauben einen Vergleich zwischen unterschiedlichen Schadenskategorien und sind größtenteils über die nationale Schadensdatenbank CESARE öffentlich zugänglich.

Trotz großer jährlicher Schwankungen zeigt die Auswertung: Die durchschnittlichen jährlichen Schäden sind in den verfügbaren Daten zuletzt gestiegen. Sowohl bei den in COIN 2.0 erhobenen Daten als auch in jenen der MunichRe ist diese Zunahme statistisch signifikant.

Bessere Schadensdaten sind eine Voraussetzung, um Klimawandelanpassung und Katastrophenvorsorge noch gezielter zu planen. Die Datenlage hat sich gegenüber COIN 1 (2015) verbessert, aber es bestehen noch immer signifikante Datenlücken. Eine einheitliche, zentralisierte und noch umfangreichere Erfassung mit rascher Verfügbarkeit wäre daher ein wichtiger nächster Schritt.

Hintergrundinformationen

Unterlagen & Grafiken zum Download  (Klima- und Energiefonds)

Über COIN 2.0

Die Studie COIN 2.0 – Societal Cost of Inaction untersucht die Klimafolgekosten bzw. die monetären Auswirkungen erfolgreicher Klimawandelanpassung für Österreich. Es handelt sich um ein umfassendes Update der COIN-Studie aus dem Jahr 2015, die im Auftrag des Klima- und Energiefonds erstmalig die Kosten des Nichthandelns in der österreichischen Klimapolitik untersuchte. In der COIN-2.0-Studie, nun vom Klima- und Energiefonds, der Arbeiterkammer Wien und dem Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz beauftragt, werden die Folgen für alle relevanten und quantifizier-baren Wirkungsbereiche (Gesundheit, Schäden an Gebäuden durch Hochwasser, Land- und Forstwirtschaft, Energie, Wasserversorgung, Verkehr, Tourismus, Ökosysteme und Bio-diversität) in einem umfassenden Modellverbund modelliert und analysiert. Neben einem ausführlichen Update gegenwärtiger und zukünftiger Klimafolgekosten für Österreich bietet COIN 2.0 zusätzliche Neuerungen: Es werden die Belastungen durch Hitze, Überflutungen und Trockenheit für unterschiedliche Gruppen (Unternehmen, Bevölkerungsgruppen, öffentlicher Haushalt) beleuchtet. Darüber hinaus werden Anpassungsmaßnahmen zur Reduktion von Klimafolgekosten sowie deren Effekte auf die Beschäftigung, die Verteilung von Lasten und auf das Wohlbefinden analysiert.

Studienwebsite: coin2.ccca.ac.at