Warum Klimaschutz und Kreislaufwirtschaft für den Wirtschaftsstandort Österreich wichtig sind
Geopolitische Unsicherheiten, schwankende Preise für fossile Energie: Unternehmen stehen vor der Herausforderung, Investitionsentscheidungen unter Unsicherheit zu treffen, verbunden mit höheren Kosten. Ein geringes Wirtschaftswachstum, Kaufkraftverlust und eine sinkende Beschäftigung stehen auch mit diesen Entwicklungen in Zusammenhang.
Das Umweltbundesamt analysiert seit vielen Jahren, welche Auswirkungen Investitionen und Innovationen in Klimaschutz und Kreislaufwirtschaft auf Wirtschaft und Gesellschaft haben. Wir haben diese Zusammenhänge mit Daten und Fakten hinterlegt und sie anhand von FAQs im Folgenden aufbereitet.
Warum ist es sinnvoll, aus fossilen Energieträgern auszusteigen?
Dafür gibt es viele Gründe. Da ist erstens die drastische Reduktion der Treibhausgas-Emissionen, die notwendig ist, um den fortschreitenden Klimawandel einzudämmen und das EU-Klimaziel für 2030 zu erreichen. Zweitens führen der Ausstieg aus fossilen Energieträgern und der Ausbau von Erneuerbaren zu Unabhängigkeit von Importen, zu stabilen Preisen und zu geringeren Ausgaben für den Staat und für Einzelne. Wieviel fossile Energieträger Österreich jedes Jahr kosten, hat 2026 eine Studie des Wegener Centers der Uni Graz beziffert - durchschnittlich 8-12 Mrd. Euro pro Jahr. Drittens schafft der Betrieb erneuerbar betriebener Anlagen zur Stromerzeugung fast ausschließlich Wertschöpfung in Österreich, während bei fossiler Stromerzeugung knapp die Hälfte der Wertschöpfung ins Ausland abfließt, wie eine Studie des Instituts für Höhere Studien zeigt. Die erneuerbare Stromerzeugung sichert auch mehr als dreimal so viele heimische Vollzeitarbeitsplätze wie die fossile.
Quellen: Studie der Uni Graz, Studie des IHS
Mit den im nationalen Klima- und Energieplan (NEKP) festgehaltenen Maßnahmen kann das EU-Reduktionsziel an Treibhausgas-Emissionen 2030 erreicht werden, wenn diese rasch umgesetzt werden und zusätzliche Maßnahmen zum Abbau klimaschädlicher Subventionen sowie Carbon Capture and Storage implementiert werden.
Welche wirtschaftlichen Wirkungen haben Investitionen in den Klimaschutz?
Klimaschutz ist eine Investition in den Wirtschaftsstandort Österreich. Analysen des Umweltbundesamtes untermauern, welche volkswirtschaftlichen Effekte zu erwarten sind, wenn Investitionen gezielt in Richtung Klimaneutralität getätigt werden. Der Ausblick ist positiv: Sie führen zu einem höheren Wirtschaftswachstum. Investitionen in die Energiewende sind zudem Treiber für steigende Beschäftigung und für sinkende Arbeitslosenraten.
Um Klimaneutralität im Jahr 2040 in Österreich zu erreichen, sind im Zeitraum 2024 bis 2040 im Durchschnitt zusätzliche Investitionen zwischen 6,4 Mrd. Euro und 11,2 Mrd. Euro pro Jahr erforderlich, was 1,1 Prozent bis 1,9 Prozent des BIP entspricht.
Quelle: Investitionsbedarf für die Klimaneutralität 2040
Investitionen im Energie-, Gebäude-, Verkehrs- und Industriesektor (Ausbau erneuerbarer Energieträger, Gebäudesanierungen, Heizkesseltausch und Umstieg auf klimaneutrale Mobilität bzw. Produktionsprozesse) stellen bedeutende Impulse für die österreichische Wirtschaft dar. Im Zeitraum 2023 bis 2050 liegt die Beschäftigung bei zusätzlich 40.000 Vollzeitäquivalenten jährlich. Die Arbeitslosenrate sinkt von 4,6 % (2023–2030) auf 2,9 % (2041–2050).
Was bewirken Investitionen in Klimaschutz mittel- und langfristig?
Mehr Strom aus erneuerbaren Quellen senkt die Strompreise: Eine Studie für Deutschland zeigt, dass der geplante Ausbau erneuerbarer Energien den durchschnittlichen Börsenstrompreis im Jahr 2030 um rund 23 % im Vergleich zu einem Szenario mit verlangsamtem Ausbau senkt. Erneuerbare Energien produzieren Strom nahezu ohne laufende Kosten. Je mehr günstiger Ökostrom vorhanden ist, desto seltener werden teure Kraftwerke benötigt. In der Folge nehmen Stunden mit niedrigen bzw. sehr niedrigen Strompreisen zu, was sich dämpfend auf den durchschnittlichen Jahresstrompreis auswirkt.
Quelle: Erneuerbare Energien senken Strompreise unabhängig von der Nachfrage
Investitionen in erneuerbare Technologien oder in Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz senken nachhaltig die Betriebskosten (etwa durch verminderte Brennstoff- und CO2 Kosten) und steigern dadurch mittel- und langfristig die Wettbewerbsfähigkeit.
Elektromobilität ist wesentlich energieeffizienter als herkömmliche Verbrennungsmotoren: Verbrenner-PKW haben einen etwa dreimal so hohen spezifischen Energieverbrauch wie Elektro-PKW. Bei leichten und schweren LKW ist der spezifische Energieverbrauch der Verbrenner etwa doppelt so hoch wie der der Elektro-Fahrzeuge.
In welchen Branchen sind Investitionen in den Klimaschutz besonders notwendig?
Energie, Industrie, Gebäude und Verkehr zählen zu den Sektoren, in denen die erforderlichen Investitionen am höchsten sind, damit Österreich sein Ziel, bis 2040 klimaneutral zu sein, erreicht.
- Im Energiebereich ist eine Umstellung auf erneuerbare Energieträger bei der Strom- und Fernwärmeproduktion sowie die entsprechende Leitungs- und Speicherinfrastruktur erforderlich.
- Investitionen in der Industrie erfolgen bei Prozessumstellung und Energieträgerwechsel: Elektrifizierung, Einsatz von Wasserstoff, Prozesswärme sowie CCS/CCU.
- Im Gebäudebereich braucht es zusätzliche Investitionen in Sanierung und Heizungsumstellung.
- Der Ausbau von öffentlichen Verkehrsmitteln und die Umstellung der Fahrzeugflotte auf E-Mobilität erlaubt die Dekarbonisierung im Verkehrsbereich. Verbleibende Verbrennungsmotoren (z.B. bei landwirtschaftlichen Maschinen und Baumaschinen) werden mit Biotreibstoffen betrieben.
Welche Rolle spielt die Kreislaufwirtschaft beim Klimaschutz?
In der Kreislaufwirtschaft steckt ein enormes Klimaschutzpotenzial, da sie durch eine Reduktion des Materialverbrauchs, einen verlängerten Werterhalt von Materialien und einen Fokus auf Recycling und Reparatur große Mengen an Treibhausgasen einsparen kann. Die Umgestaltung des Wirtschaftssystems zu einer Kreislaufwirtschaft ist daher ein zentraler Baustein auf Österreichs Weg zur Klimaneutralität 2040. Die österreichische Kreislaufwirtschaftsstrategie zielt darauf ab, den Ressourcenverbrauch zu verringern, Umweltbelastungen und Abfälle zu vermeiden, Wertschöpfung und Ressourceneffizienz zu erhöhen sowie negative soziale Auswirkungen auf die Menschen abzufedern.
Quelle: Kreislaufwirtschafts-Strategie in Österreich | Umweltbundesamt
Was bewirken Innovationen in Klimaschutz und Kreislaufwirtschaft für den Standort?
Innovationen in Klimaschutz- und Kreislaufwirtschaftstechnologien spielen eine wesentliche Rolle für die Umgestaltung des Wirtschaftssystems, weil sie die Wettbewerbsfähigkeit von morgen sichern: Investitionen in neue Produkte und Zukunftstechnologien schaffen internationale Absatzmärkte für österreichische Unternehmen und helfen, Arbeitsplätze und Wertschöpfung in Österreich zu erhalten. Auch die österreichische Industriestrategie will Innovation in Klimaschutz- und Kreislaufwirtschaftstechnologien fördern, Resilienz schaffen und die Wettbewerbsfähigkeit stärken.
Quelle: Studie von Wegener Center/Uni Innsbruck/TU Graz/Umweltbundesamt für BMDW, Industriestrategie
In welchen Bereichen sind Österreichs Unternehmen besonders innovativ?
In mehreren Studien haben unsere Expert:innen Österreichs Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit in Klimaschutz- und Kreislaufwirtschaftstechnologien analysiert. Österreichs Wirtschaft ist in diesen Bereichen hochspezialisiert und kann innovative, rasch wachsende und exportorientierte Unternehmen vorweisen, insbesondere bei Wiederverwendungs-, Recycling- und Rückgewinnungstechnologien.
Quelle: Working Paper Umweltbundesamt aus ACRP-Projekt SHIFT, Kreislaufwirtschaftstechnologien in Österreich | Umweltbundesamt
Aber auch in Verkehrstechnologien für die Bahn weist Österreich einen hohen Spezialisierungsgrad mit einer weltweit führenden Patentdichte auf. Die österreichische Bahnindustrie beschäftigte im Jahr 2021 rund 15.000 Fachkräfte und beliefert sowohl den heimischen als auch den internationalen Markt mit hochqualitativen Produkten, von Schienenfahrzeugen über Antriebssysteme bis hin zur Gleis- und Signaltechnik.
Quelle: Mobilitätswende produzieren (AK)
Im Energie- und Gebäudebereich produziert Österreich international nachgefragte Komponenten und Maschinen für die erneuerbare Strom- und Wärmeerzeugung, zum Beispiel für Wasserkraft, PV- und Windkraftanlagen sowie Solarthermie, ebenso für Stromspeicher und Stromnetztechnologien. Österreich kann von seinen innovativen und exportstarken Klimaschutz- und Kreislaufwirtschaftsunternehmen profitieren, wenn die Rahmenbedingungen für Unternehmen passen. Regulatorische Erleichterungen, beispielsweise für die Abfallwirtschaft und den Ausbau der erneuerbaren Stromerzeugung, sind dabei ebenso wesentlich wie stringent umgesetzte Vorgaben für den Ausstieg aus fossilen Energieträgern.
Quelle: Klimaschutzbericht 2025
Um unser Wirtschaftssystem zu einer Kreislaufwirtschaft umzugestalten, sind viele Maßnahmen notwendig. Insbesondere braucht es die Förderung von Forschung und Entwicklung, zum Beispiel für kreislauforientiertes Design, Wertschöpfungsketten und Geschäftsmodelle sowie für innovative Sortier- und Recyclingtechnologien.
Quelle: Kreislaufwirtschaftstechnologien in Österreich | Umweltbundesamt
Welche wirtschaftlichen Chancen bietet die Kreislaufwirtschaft für Österreich?
Österreichs Kreislaufwirtschaft birgt ein großes Innovations- und Exportpotenzial und kann zum Pulsgeber für Österreichs Wettbewerbsfähigkeit werden. Österreich punktet mit einer hohen Zahl an Patentanmeldungen bei Wiederwendungs-, Recycling- und Rückgewinnungstechnologien. Die positiven Effekte entfalten sich entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Besonders profitieren Abfallwirtschaft, Maschinenbau, industrielle Zuliefererbranchen sowie handels- und dienstleistungsnahe Bereiche. Die Kreislaufwirtschaft wirkt damit als gesamtwirtschaftlicher Pulsgeber.
- Ein Exportboost bei Recyclingtechnologien und das Wachstum des inländischen Recyclingsektors bis 2030 wirken sich positiv auf Österreichs Wirtschaft aus, insbesondere auf Wertschöpfung und Arbeitsplätze.
- Ein Exportboost von Recyclingtechnologien bringt 830 Millionen Euro zusätzliche Wertschöpfung und 9.100 zusätzliche Arbeitsplätze bis 2030.
- Ein Exportboost durch das Wachstum des inländischen Recyclingsektors bringt 1,3 Milliarden Euro zusätzliche Wertschöpfung und 11.300 zusätzliche Arbeitsplätze
- Die beiden modellierten Marktimpulse ergänzen einander. Insgesamt generieren Recyclingexporte 2,2 Milliarden Euro zusätzliche Wertschöpfung und 20.300 zusätzliche Arbeitsplätze.
Quelle: Roniger, J., Pixer A. (2026). [KON]TEXTANALYSE #6: Kreislaufwirtschaft als Pulsgeber für Österreichs Wettbewerbsfähigkeithttps://www.umweltbundesamt.at/aktuelles/presse/news2026/oesterreichs-kreislaufwirtschaft-als-pulsgeber-fuer-oesterreichs-wettbewerbsfaehigkeit
https://www.umweltbundesamt.at/news260429-kreislaufwirtschaft-baubranche
Wie hoch ist das Exportpotenzial von Recyclingtechnologien und des Recyclingmarktes in Österreich?
Österreichische Recyclingunternehmen sind stark in europäische Wertschöpfungsketten eingebunden und beliefern zunehmend andere EU-Mitgliedstaaten mit Recyclingleistungen und aufbereiteten Sekundärrohstoffen. Analysen des Umweltbundesamtes zeigen mehrere Trends, die zu einem Exportboost mit positiven Effekten auf die Volkswirtschaft führen:
Einerseits kann der Exportanteil von Recyclingtechnologien - in denen Österreich eine besonders hohe Innovationsleistung vorweisen kann - bis 2030 jährlich um rund 1,4 Prozent wachsen.
Dazu kommt auch ein wachsender EU-Markt, der sich unmittelbar auf Österreich auswirkt. Schätzungen belaufen sich auf zusätzlich nötige Investitionen von rund 82 Milliarden Euro pro Jahr zur Erreichung der EU-Ziele für die Kreislaufwirtschaft. Daraus ergibt sich ein erwartetes EU-weites Marktwachstum von 31 Prozent bis 2030.
Zudem weist der gesamte österreichische Recyclingsektor selbst ein hohes Exportniveau auf, das sich mit einem Wachstum von 16,6 Prozent pro Jahr bis 20230 fortschreiben kann. Damit werden um 1,2% bzw. 2,7 Mrd. Euro höhere Exporte im Jahr 2030 ausgelöst, wobei jeder zusätzliche Euro an zusätzlichen Exporten 0,8 Euro an heimischer Wertschöpfung erzeugt.