Klimaerwärmung verschiebt Europas Pflanzenwelt

Wien, 19. März 2026

Besonders Alpen betroffen

Ein internationales Forschungsteam mit österreichischer Beteiligung hat die veränderte Zusammensetzung von Pflanzengemeinschaften in Europa unter dem Einfluss der Klimaerwärmung analysiert. Die Studie ist im internationalen Fachjournal NATURE erschienen. Beteiligt am Artikel waren auch Forschende aus Österreich, von Umweltbundesamt, BOKU, der Österreichischer Akademie der Wissenschaften und der Universität Innsbruck.

Pflanze mit blauer Blütenglocke
Gentiania Clusii (Clusius Enzian) - eine kälteliebende Alpenpflanze

Die Studie macht deutlich, dass sich Europas Pflanzen unterschiedlich an den Klimawandel anpassen. Während manche Pflanzengemeinschaften den steigenden Temperaturen relativ gut folgen können, geraten andere zunehmend ins Hintertreffen. In den Bergregionen, insbesondere in den Alpen, ist ein rascher Rückgang kälteangepasster Arten zu beobachten. Immer mehr wärmeangepasste Pflanzen wachsen hingegen in Wäldern und auf Wiesen.

Die globale Erwärmung verändert die Zusammensetzung von Pflanzengemeinschaften in ganz Europa. Wärmeliebende Arten breiten sich zunehmend aus, während kältetolerante Arten zurückgedrängt werden – ein Prozess, den Forschende als „Thermophilisierung“ bezeichnen. Doch viele Ökosysteme reagieren verzögert auf die steigenden Temperaturen. Die tatsächliche Änderung der Artenzusammensetzung hinkt den bereits veränderten Klimabedingungen hinterher. Diese Situation erhöht das Aussterberisiko von Arten.

Die Ergebnisse zeigen deutliche Unterschiede zwischen den Lebensräumen: Alpine Gipfelregionen weisen die stärkste Veränderung auf. Hier ist die Thermophilisierung bis zu fünfmal stärker ausgeprägt als in anderen untersuchten Ökosystemen. Hauptursache ist vor allem der Rückgang kälteliebender Arten.

Andrea Lamprecht vom Institut der Botanik an der BOKU sieht in der ausgeprägten Topografie die Hauptursache der besonders starken Thermophilisierung auf den alpinen Standorten. Durch die Kompression der thermischen Höhenstufen wachsen Arten mit unterschiedlichen Temperaturpräferenzen räumlich Nähe. Die Kältespezialisten können bei Erwärmung dadurch rascher von anderen bereits vorkommende Gebirgsarten verdrängt werden.

Die Ergebnisse liefern wichtige Grundlagen, um zukünftige Veränderungen der Pflanzenwelt unter der weiter fortschreitenden Erderwärmung präziser abschätzen zu können.

Die Forschenden haben dazu mehr als 6.000 Vegetationsflächen in ganz Europa untersucht, die über Zeiträume von 12 bis 78 Jahren hinweg wiederholt erfasst wurden. Analysiert wurden Wälder, Wiesen und alpine Gipfelregionen.

Das Umweltbundesamt konnte für dieses Projekt wertvolle Langzeitdaten der Forschungsstation Zöbelboden in den oberösterreichischen Kalkalpen zur Verfügung stellen. „Unsere Langzeitdaten des Forschungsstandorts Zöbelboden zeigen, dass sich die Waldvegetation an die rasche Klimaerwärmung nicht gut anpassen kann“, erläutert Thomas Dirnböck. Der von Umweltbundesamt und Nationalpark Kalkalpen betriebene Forschungsstandort ist einer der Leuchttürme der Europäischen Forschungsinfrastruktur (eLTER RI), die im Rahmen des European Strategy Forum for Research Infrastructures (ESFRI) als Netzwerk hochinstrumentierter Standorte aufgebaut wird.

Die alpinen Standorte sind ein Beitrag des internationalen Langzeitmonitoring- und Forschungs-Programms GLORIA (Global Observation Research Initiative in Alpine Environments, gloria.ac.at), das an der BOKU und der ÖAW koordiniert wird. Geleitet wurde die Studie von Forschenden der Universität Gent in Zusammenarbeit mit dem belgischen Forschungsinstitut für Natur und Wald (INBO).

Links:

Zum Artikel im Fachjournal NATURE: Contrasting thermophilization among forests, grasslands and alpine summits | Nature