Kreislaufwirtschaft: Baubranche spielt Schlüsselrolle

Wien, 29. April 2026

„Das Ziel einer Kreislaufwirtschaft ist es, den Verbrauch von primären Rohstoffen zu verringern."

Wie lässt sich das Ziel der Klimaneutralität für Österreich mit einer Reduktion des Rohstoffverbrauchs verbinden? Dieser Frage ist das Umweltbundesamt in einer aktuellen Studie im Auftrag des Umweltministeriums nachgegangen.

Bauschutt in Staubwolke.

„Das Ziel einer Kreislaufwirtschaft ist es, den Verbrauch von primären Rohstoffen zu verringern. Mehr als die Hälfte des inländischen Materialverbrauchs von rund 143 Mio Tonnen pro Jahr entfällt auf Materialien, die überwiegend für den Bau bzw. für die Herstellung von Baustoffen eingesetzt werden“, erläutert Brigitte Karigl, Leiterin des Bereichs Kreislaufwirtschaft im Umweltbundesamt.

Die Analyse widmet sich vor allem dem zukünftigen Materialbedarf, der in einem Transition-Szenario zur Erreichung der Klimaneutralität und Energiewende zu erwarten ist. Die wichtigsten Ergebnisse:

  • Der Rückgang des Ressourcenverbrauchs von 2023 bis 2050 beträgt ca. 30%, über alle Sektoren hinweg.
  • Recyclingbaustoffe aus Baurestmassen und Aushubmaterialien bilden einen wesentlichen Hebel um zukünftig den Primärrohstoffbedarf um bis zu 80% verringern zu können.
  • Ein Rückgang des Materialverbrauchs um ca. 60% ist bei Gebäuden durch Nachverdichtung, Kernsanierung, Verwendung von nicht mineralischen Rohstoffen im Neubau und durch Erhaltung statt Neubau von Straßen erreichbar.

Zu den weiteren Stellschrauben in der Bauwirtschaft, um den Bedarf an Rohstoffen zu reduzieren, zählen laut Expert:innen: die Förderung einer ressourcenschonenden, zirkulären Bauweise, die nachhaltige Beschaffung, die Verlängerung der Nutzungsdauer von Gebäuden und Bauprodukten sowie die Stärkung von Wiederverwendung, Recycling und Verwertung. 

„Wenn ein Gebäude nicht abgerissen wird, werden Bau- und Abbruchabfälle vermieden. Es muss auch keine Energie für den Abbruch und das Recycling der Baurestmassen aufgewendet werden. Das ist relevant, weil Bau- und Abbruchabfälle mit rd. 11 Mio t/a zu den mengenmäßig bedeutendsten Abfallströmen zählen. Immerhin mehr als die Hälfte der Bau- und Abbruchabfälle stammt aus dem Gebäudebereich“, so Brigitte Karigl. 

Grundlage: Szenario Transition

Die Grundlage der Analyse ist das Szenario Transition des Umweltbundesamtes. Dieses sieht einen tiefgreifenden Umbau des Energie- und Verkehrssystems sowie des Gebäudebestands bis 2040 vor. Zur Abschätzung des Materialbedarfs, gegenwärtig und für das Szenario Transition, wurden für Industrie, Gebäude, Mobilitäts- und Energieinfrastruktur materialbedarfspezifische Faktoren erhoben. 

Wissen aus Forschung und Praxis

Die Ergebnisse wurden im Laufe der Studienerstellung in Workshops mit Expert:innen von BOKU Wien, Statistik Austria und FH Wien diskutiert. Weitere Expertise steuerten der Österreichische Baustoff-Recyclingverband, Projektkonsortium Kraisbau, ÖBB Infrastruktur AG, ASFINAG, Wiener Linien und der Verband der Privatgüterwagen-Interessenten Österreich bei. 

Download der StudieIntegration von Kreislaufwirtschaft