Nachlese: Schadstoffe in Produkten
Rund 180 Teilnehmer:innen nahmen am 16. Fachgespräch „Schadstoffe in Produkten“ teil. Im Mittelpunkt standen aktuelle Entwicklungen im Chemikalienrecht, Produktkontrollen und die Frage, wie Kreislaufwirtschaft sicher gestaltet werden kann. Elf Vortragende aus Verwaltung, Forschung, Wirtschaft, Interessensvertretung und Verbraucherschutz zeigten, wie vielfältig das Thema in der Praxis ist: von Alltagsprodukten wie Spielzeug, Kosmetik, Elektrogeräten und Textilien bis hin zu digitalen Produktinformationen und schadstoffarmem Recycling.

Schadstoffe in Produkten betreffen Umwelt, Gesundheit und Wirtschaft gleichermaßen. Diskutiert wurde, wie bedenkliche Stoffe erkannt, bewertet, reguliert und möglichst vermieden werden können. Deutlich wurde: wirksamer Schutz braucht belastbare Daten, klare Vorgaben und Zusammenarbeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette, von der Produktentwicklung über die Marktüberwachung bis zur Kreislaufwirtschaft.
Vom Gesetz zur Produktrealität
Simone Fankhauser vom Umweltbundesamt gab einen Überblick über aktuelle Entwicklungen im europäischen Chemikalienrecht. Im Zentrum stand REACH, die EU-Verordnung zur Registrierung, Bewertung, Zulassung und Beschränkung chemischer Stoffe. Anhand ausgewählter Beispiele zeigte sie, wie rechtliche Vorgaben Risiken durch gefährliche Stoffe in Produkten verringern können. Von Beschränkungen einzelner Substanzen bis hin zu großen Stoffgruppen wie PFAS, den per- und polyfluorierten Alkylsubstanzen.
Philipp Steinbichl vom Umweltbundesamt stellte Produktkontrollen im Rahmen des Stoffradars vor. Sie machen sichtbar, wo Schadstoffe über den gesamten Produktlebenszyklus auftreten können, etwa bei Stoffen, die unter die RoHS-Richtlinie „Restriction of Hazardous Substances“ zur Beschränkung gefährlicher Stoffe in Elektro- und Elektronikgeräten fallen, bei PFAS, Substanzen in Sonnenschutzmitteln, Mikroplastik und Reifenzusatzstoffen. Die Ergebnisse liefern wichtige Grundlagen für regulatorische Prozesse und dienen der Produktsicherheit.
Alltagsprodukte im Fokus
Stefan Paireder vom Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz beleuchtete Lebensmittelkontaktmaterialien. Diese unterliegen in der Europäischen Union hohen Sicherheitsanforderungen. Fragen stellen sich vor allem bei Recyclingmaterialien, Naturstoffen und Stoffen, die nicht absichtlich zugesetzt wurden, sondern etwa als Verunreinigungen oder Abbauprodukte entstehen. Daniela Schachner von der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) zeigte, dass Spielzeug durch die Spielzeugverordnung streng reguliert ist, aber nicht automatisch schadstofffrei. Ab August 2030 gelten strengere Regeln für Spielzeug, etwa zu CMR-Stoffen, also krebserzeugenden, erbgutverändernden oder fortpflanzungsgefährdenden Stoffen, hormonwirksame Substanzen und PFAS. Konsequente amtliche Kontrollen bleiben weiterhin unverzichtbar.
Birgit Pelzmann von der AGES gab Einblick in die Marktüberwachung von Kosmetika. Schadstoffe können nicht nur verbotene Inhaltsstoffe sein. Sie treten auch als Rückstände, Verunreinigungen oder Abbauprodukte auf. Entscheidend sind Konzentration, Exposition und toxikologische Bewertung bei der Einschätzung eines etwaigen Gesundheitsrisikos.
Birgit Gutsche vom Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt Karlsruhe berichtete über die seit Jänner 2022 geltende EU-Regeln für Tätowiermittel. Untersuchungen zu Tätowierfarben und Permanent Make-up zeigen, dass es weiterhin stoffliche Mängel gibt. Dazu zählen unter anderem unzulässige Gehalte bestimmter Konservierungsmittel, Pigmente oder Verunreinigungen. Aufgrund der direkten Einbringung in die Haut können die gesundheitlichen Folgen beträchtlich sein.
Transparenz, Textilien und Kreislaufwirtschaft
Martin Führ von der Hochschule Darmstadt und Dominik Linhard von GLOBAL 2000 stellten Erfahrungen aus AskREACH und der App Scan4Chem vor. Die digitalen Angebote sollen Verbraucher:innen helfen, Schadstoffe in Produkten besser einzuordnen. Von den 17 Ländern, in denen die App 2025 lief, stellte Österreich, gemessen an der Einwohnerzahl, die meisten Anfragen, vor Deutschland und Dänemark. Gleichzeitig zeigten Anfragen zu belasteten Produkten aus Einkauftests deutliche Lücken: In vielen Fällen antworteten Unternehmen gar nicht oder nur unzureichend.
Marina Crnoja-Ćosić von der Wirtschaftskammer Österreich und Susanne Stark vom Verein für Konsumenteninformation richteten den Blick auf Schadstoffe in Textilien. Dabei ging es einerseits um neue Anforderungen durch die EU-Ökodesignverordnung für nachhaltige Produkte: Textilien sollen künftig transparenter, sicherer und besser kreislauffähig werden. Andererseits zeigen Produkttests aus dem Projekt ToxFree LIFE for All, dass strengere Vorgaben und verlässliche Orientierung für Konsument:innen wichtig bleiben. Umweltzeichen mit klaren Vorgaben zu Schadstoffgehalten können dabei helfen, schadstoffärmere Produkte am Markt zu stärken.
Recycling sicher gestalten
Chris Slijkhuis von MGG Polymers beschrieb das „Schadstoff-Paradoxon“ im E-Schrott-Recycling. Gefährliche Stoffe müssen wirksam aus dem Kreislauf entfernt werden, zugleich dürfen Anforderungen an Rezyklate funktionierende Recyclingwege nicht unnötig erschweren.
Christian Kirchnawy vom Österreichischen Forschungsinstitut für Chemie und Technik (OFI) zeigte, wie anspruchsvoll Verpackungsrecycling ist. Untersuchte Rezyklate aus Polyethylenterephthalat (PET) waren unauffällig. Bei Polyethylen und Polypropylen können kritische Kontaminationen entstehen, etwa durch Abbauprodukte von Druckfarben- oder Klebstoffen. De-Inking, De-Labelling und recyclinggerechtes Design können helfen, solche Risiken schon vor dem Recyclingprozess zu verringern.
Fazit
Das Fachgespräch zeigte: Schadstoffe in Produkten müssen früh im Produktlebenszyklus mitgedacht werden. Entscheidend ist das Zusammenspiel von Produktdesign, Regulierung, Analytik, Marktüberwachung, Digitalisierung, Konsumenteninformation und Recycling. Je früher bedenkliche Stoffe erkannt, ersetzt oder vermieden werden, desto besser lassen sich Gesundheit, Umwelt und Kreislaufwirtschaft miteinander vereinen.
Weiterführende Links
Interne Links
Fachgespräch: Schadstoffe in Produkten
Publikationen zum Thema Chemikalien & Analytik
Externe Links
Chemiepolitik und Biozide (BMLUK)
Verbrauchergesundheit (BMASGPK)
Gebrauchsgegenstände (BMASGPK)
Schadstoffe in Produkten (VKI)
Tätowieren - aber sicher! (CVUA Karlsruhe)
OFI - Österreichisches Forschungs- und Prüfinstitut
National Technology Platform for Sustainable Chemistry
Verordnungen & ECHA
Ökodesign-Verordnung für nachhaltige Produkte (EUR-Lex)
Spielzeug-Verordnung (EUR-Lex)
Liste der Beschränkungen (ECHA)
Restriction of Hazardous Substances in Electrical and Electronic Equipment (European Commission)