SMRs für Europa kaum geeignet
Das Umweltbundesamt hat die Rahmenbedingungen für SMRs in Europa analysiert. Die Technologie ist auf absehbare Zeit weder wirtschaftlich noch in ausreichendem Umfang verfügbar.

Die Europäische Kommission setzt in ihrer am 10. März vorgestellten SMR-Strategie verstärkt auf kleine modulare Kernreaktoren (SMRs) und sieht diese als wichtigen Bestandteil der europäischen Energie- und Klimapolitik. Ziel ist es, die Entwicklung von SMRs zu beschleunigen, eine europäische Nuklearindustrie aufzubauen und diese auch mit Gemeinschaftsmitteln zu unterstützen. Unter anderem plant die EU-Kommission eine zusätzliche befristete Aufstockung von InvestEU um 200 Millionen Euro bis 2028, um erste kommerzielle Reaktoren zu fördern.
Österreich lehnt diese Pläne klar ab – insbesondere die Verwendung von EU-Gemeinschaftsmitteln für die Entwicklung und Förderung von SMRs.
Das Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft (BMLUK) hat daher das Umweltbundesamt mit einer Studie zu den „Rahmenbedingungen für kleine modulare Reaktoren in den Euratom-Mitgliedstaaten“ beauftragt. Ziel war es, eine faktenbasierte Grundlage zur Bewertung von Kostenentwicklung, Marktpotenzial und Umsetzbarkeit von SMRs in Europa zu schaffen.
„Die Studie zeigt klar: Small Modular Reactors sind weder eine rasch verfügbare noch eine wirtschaftlich sinnvolle Lösung für die aktuellen klima- und energiepolitischen Herausforderungen Europas. Es ist nicht nachvollziehbar, dass die EU-Kommission auf eine Technologie setzt, die erst entwickelt werden muss, während sichere, kostengünstigere und sofort verfügbare erneuerbare Alternativen bereits heute zur Verfügung stehen. Österreich lehnt daher die Finanzierung von SMRs mit EU-Geldern entschieden ab", so Umweltminister Norbert Totschnig
Wir haben die Technologieentwicklung und das Marktpotenzial kleiner modularer Reaktoren in der EU analysiert. Dabei wird deutlich: SMRs werden auf absehbare Zeit weder wirtschaftlich noch in ausreichendem Umfang verfügbar sein und daher kurzfristig keinen substanziellen Beitrag zur Dekarbonisierung leisten können. Viel mehr braucht es Investitionen in bewährte und verfügbare Technologien wie etwa erneuerbare Energien.
Die Studie bestätigt die österreichische Position in wesentlichen Punkten:
- Der breite kommerzielle Einsatz von SMRs in Europa ist frühestens in den 2040er-Jahren realistisch. Derzeit befindet sich kein SMR in Europa in Betrieb oder im Bau, viele Konzepte sind noch in frühen Entwicklungsphasen.
- SMRs können daher keinen relevanten Beitrag zur kurzfristigen Dekarbonisierung und Erreichung der Klimaziele leisten.
- Erfahrungen aus bestehenden Projekten außerhalb Europas zeigen deutliche Kostensteigerungen und Verzögerungen. Im Vergleich zu erneuerbaren Energien sind SMRs deutlich teurer und wirtschaftlich nicht konkurrenzfähig.
- Eine europäische Fertigungsindustrie für SMRs existiert derzeit nicht und müsste erst aufgebaut werden. Gleichzeitig bestehen erhebliche Abhängigkeiten bei Lieferketten, Schlüsselkomponenten und nuklearen Brennstoffen.
- Unterschiedliche regulatorische Vorgaben und technische Standards in den Mitgliedstaaten erschweren eine einheitliche Serienproduktion zusätzlich.
Österreich fordert zudem, dass für SMRs jedenfalls dieselben hohen Sicherheitsanforderungen gelten müssen wie für große Kernkraftwerke. Insgesamt kommt die Studie zum Schluss, dass ein breiter und wirtschaftlicher Einsatz von SMRs in Europa aufgrund der derzeitigen Rahmenbedingungen auf absehbare Zeit höchst fraglich ist.

