Was verbinden Österreicher:innen heute mit Tschernobyl?
40 Jahre nach dem Reaktorunfall kennen viele junge Österreicher:innen die Folgen der Katastrophe in Tschernobyl nur noch aus Erzählungen von Eltern und Großeltern. Wir waren auf der Straße und haben uns umgehört - was verbinden die Menschen heute noch mit dem Wort Tschernobyl?
Erinnerungen von Geschäftsführerin Verena Ehold
Verena Ehold, Geschäftsführerin des Umweltbundesamtes, war 1986 zehn Jahre alt. Sie erinnert sich an die vielen neuen Regeln, die offenen Fragen, die spürbare Unsicherheit der Erwachsenen. Später leitete sie die Strahlenschutzabteilung im Umweltministerium – und weiß seitdem: Man kann keine radioaktive Wolke aufhalten. Aber frühzeitige Information bedeutet Handlungsspielraum.
Das österreichische Strahlenfrühwarnsystem
Österreich betreibt heute rund 300 Messsonden – eines der dichtesten Strahlenfrühwarnsysteme Europas. Das Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz überwacht damit die Radioaktivität in der Umwelt automatisch, flächendeckend und rund um die Uhr. Zehn grenznahe Luftmonitore erfassen selbst kleinste Mengen radioaktiver Partikel.
Strahlenfrühwarnsystem und Monitoring (BMLUK)
Das Umweltbundesamt betreibt und entwickelt dieses System im Auftrag des Umweltministeriums. Es ist eingebettet in europäische und internationale Netzwerke: Messdaten gehen an Nachbarstaaten und an das Gemeinsame Forschungszentrum der EU.
Aktuelle Messwerte von 111 Stationen sind öffentlich zugänglich – auf der Website des Klimaschutzministeriums. Auch der ORF-Teletext informiert.
Seit 1986 dabei
Die erste Publikation des Umweltbundesamtes zum Thema erschien wenige Monate nach dem Unfall – mit einer Analyse der Auswirkungen auf Österreich. Seither ist Strahlenschutz ein kontinuierlicher Arbeitsschwerpunkt des Hauses.
Im Zuge der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl 1986 erfasste und dokumentierte das Umweltbundesamt die Belastung österreichischer Böden durch Cäsium-137. Kartenmaterial zur radioaktiven Kontamination steht für den Zeitraum 1986 bis 2026 – rechnerisch ermittelt – zum Download bereit.
Karten zu 40 Jahre nach Tschernobyl