Durch Dürre: Braune Blätter mitten im Sommer

Wien, 07. September 2026

Im Herbst ist Blattverfärbung ein ganz normaler Prozess: Der Baum zieht wertvolle Nährstoffe wie Stickstoff und Phosphor aus dem Blatt zurück, bevor er es abwirft – man nennt das Seneszenz. Unsere Daten zeigen jedoch, dass Österreichs Bäume ihre Blätter heuer, bedingt durch die aktuelle Dürre, deutlich früher abwerfen als gewöhnlich.

Buntes Herbstlaub

Anhaltende Hitze und deutlich unterdurchschnittliche Niederschläge hinterlassen heuer sichtbare Spuren in Österreichs Wäldern – selbst in Auwäldern, die durch Flussnähe und Grundwasser eigentlich als besonders widerstandsfähig gelten.

Ein Beispiel ist der Auwald bei Marchtrenk an der Traun: Satellitendaten zeigen dort einen deutlichen Rückgang der Vegetationsvitalität, die Bodenfeuchte liegt rund 50% unter dem Zehn-Jahres-Schnitt. 

Wenn selbst solche Ökosysteme Stresssignale zeigen, macht das deutlich, wie außergewöhnlich die aktuelle Lage ist – das sieht man derzeit auch bei vielen Bäumen im ganzen Land. Bedingt durch die Dürre werfen Bäume in Österreich ihre Blätter heuer deutlich früher ab. Das zeigen unter anderem Daten des NVDI - dem sogenannten normalisierter differenzierten Vegetationsindex. 

Dieser misst, wie stark Pflanzen sichtbares Licht absorbieren und nahes Infrarotlicht reflektieren – gesunde, dichte Vegetation reflektiert deutlich mehr Infrarotlicht als gestresste oder abgestorbene Pflanzen. Aus Satellitendaten lässt sich daraus ein Wert zwischen -1 und 1 berechnen, wobei höhere Werte auf vitale, dichte Vegetation hindeuten und niedrige oder fallende Werte auf Stress, Trockenheit oder Blattverlust.

Eine Grafik zeigt den deutlichen Rückgang der Vegetationsgesundheit.

Vorzeitiger Laubfall kann zwei unterschiedliche Ursachen haben: eine gesteuerte Reaktion des Baumes – so wie im Herbst – oder Hitzeschäden. Letzteres nennt man in der Fachsprache "Scorching".

Bei der Seneszenz erkennt der Baum über Hormone die Wasserknappheit und zieht aktiv Nährstoffe wie Stickstoff und Phosphor zurück, bevor er das Blatt kontrolliert abwirft – die Nährstoffe sind sozusagen für das nächste Jahr gesichert. Beim Scorching hingegen reicht die Wasserversorgung nicht mehr aus: Die Zellen sterben ungesteuert ab, das Blatt vergilbt, und für eine geordnete Nährstoffrückholung bleibt keine Zeit mehr.

Das Sicherheitsventil im Blattstiel

Manche Baumarten opfern gezielt ihre Blätter, um Stamm und Äste zu schützen. Entstehen bei Trockenheit Luftblasen in den Leitbahnen, gibt zuerst der günstig zu ersetzende Blattstiel nach – nicht der teure Stamm. Unterschiedliche Arten sind hier allerdings unterschiedlich resilient: Die Rotbuche etwa verfügt über kein solches Sicherheitsventil.

Schäden wirken nach

Vier Mechanismen verstärken sich gegenseitig:

  • Ein Laubverlust im Sommer verkürzt die Photosynthesesaison um Wochen.
  • Nährstoffe im abgeworfenen Blatt gehen verloren.
  • Geschädigte Leitbahnen erholen sich in der Folgesaison nicht – der Baum startet geschwächt ins nächste Jahr.
  • Zusätzlich nutzen Rindenbrüter wie der Borkenkäfer das Zeitfenster geschwächter Bäume – Schäden werden dadurch oft erst Jahre nach dem eigentlichen Trockenereignis sichtbar.

Nadelbäume zeigen Schäden erst spät und verzögert. Bei Laubbäumen gilt: Manche Arten können sich mit ihrem Sicherheitsventil besser schützen, andere nicht. Bei der Buche etwa steigt mit häufigeren Extremsommern das Risiko für langfristige Kronenschäden und erhöhte Mortalität in den Folgejahren. Langfristiges Monitoring unserer Wälder ist hier entscheidend.

Regional sehr unterschiedlich

Trockenschäden im Wald sind regional sehr unterschiedlich ausgeprägt. Während man verfärbte Baumkronen in vielen Gebieten Österreichs mit freiem Auge sieht, sind Wälder in manchen Lagen überraschend resilient. Ein warmes Frühjahr und die erst nach der Hauptwuchsperiode einsetzende Bodentrockenheit am Zöbelboden, unserem Forschungsstandort im Nationalpark Kalkalpen, führten heuer beispielsweise sogar dazu, dass Buchen dort besser wuchsen als im Vorjahr.

Um dieser Komplexität gerecht zu werden, entwickelt das Umweltbundesamt gemeinsam mit der BOKU, der Universität Innsbruck und dem BFW das erste Echtzeitmonitoring in Österreich (TreeNet-AT), das Trockenstress direkt an Bäumen misst und mit Langzeitdaten vergleicht.

Satellitenbilder zeigen Ausmaß der Dürre in Österreich