Investitionen in Klimaneutralität als Konjunkturmotor
CCS-Szenariobericht
Carbon Capture and Storage (CCS) umfasst Abscheidung, Transport und Lagerung von CO2 und ist eine der Möglichkeiten, Klimaneutralität zu erreichen. Das Umweltbundesamt hat den zusätzlichen Energieverbrauch sowie mögliche volkswirtschaftliche Auswirkungen von Carbon Capture and Storage (CCS) in Österreich im Zeitraum 2030 bis 2040 untersucht.

Die Analyse im Auftrag des Bundesministeriums für Umwelt- und Klimaschutz (BMLUK) liefert wichtige Daten für die strategische Ausrichtung der österreichischen Standort- und Klimapolitik im Bereich des industriellen Carbon Management. Der Bericht beschreibt die mögliche Rolle von CCS als Ergänzung zur Emissionsvermeidung durch alternative Herstellungsprozesse oder erneuerbare Energieträger im Rahmen der österreichischen Carbon Management Strategie. Für fossile Restemissionen ist CCS zwingend notwendig, um Klimaneutralität zu erreichen.
Der CCS-Szenariobericht liefert einen Fahrplan. Er zeigt auf, welche Anlagen in welchem Zeitraum und bei welchem CO2-Preis umgerüstet werden könnten sowie die volkwirtschaftlichen und budgetären Effekte der erforderlichen Investitionen.
Sicherung der „Hard-to-abate“-Sektoren
Die Analyse widmet sich mit 19 österreichischen Anlagen gezielt den sogenannten „Hard-to-abate“-Sektoren, deren Emissionen schwer vermeidbar sind. Dazu zählen etwa die Zement-, Kalk- und Feuerfestindustrie, die Abfallverbrennung sowie Raffinerien. Der Bericht betont, dass diese Branchen unverzichtbare Vorleistungen für die heimische Bauwirtschaft und Infrastruktur liefern. Ohne technologische Klimalösungen wie CCS wäre ihre Produktion in einer klimaneutralen Zukunft gefährdet. In der Folge müssten diese Güter importiert werden. Ein weiterer Aspekt der Analyse betrifft biogenes CO₂, wie etwa aus der Holz- oder Zellstoffindustrie: Um die unvermeidbaren fossilen Restemissionen bilanziell auszugleichen, kann biogenes CO₂ abgeschieden und gespeichert werden („Bio-CCS“). Dafür wurden 12 österreichische Anlagen mit biogenen CO2-Emissionen aus den Branchen Papier, Zellstoff und Holz analysiert.
Hohe Investitionen stärken langfristig österreichisches Wirtschaftswachstum
Aufgrund der hohen Investitionsbedarfe ist ein wirtschaftlicher Betrieb von CCS-Anlagen – ohne öffentliche Förderungen aktuell noch nicht darstellbar. Eine Abscheidung von rund neun Millionen Tonnen CO2 würde eine deutliche Steigerung des Strom- und Wärmeverbrauchs verursachen. Es müssten rund 1.600 Megawatt Kapazitäten zur erneuerbaren Wärme- und Stromgewinnung zusätzlich errichtet werden.
Für die Finanzierung müssten entweder öffentliche Mittel oder ein höherer CO2-Preis im Emissionshandel hinterlegt werden, um die Kosten für CCS vollständig abzudecken. Ohne öffentliche Förderungen müsste der CO2-Preis von aktuell rund 80 €/tCO2 auf 200 bis 280 €/tCO2 steigen. Jedoch zeigt die volkswirtschaftliche Betrachtung der Studie, dass die dadurch entstehenden Investitionsimpulse von 10,7 Milliarden Euro zu zusätzlichen Arbeitsplätzen, einer durchschnittlichen jährlichen Steigerung des BIP um 350 bis 400 Millionen Euro sowie zu höheren verfügbaren Einkommen und einem Anstieg des privaten Konsums führen könnten.
