Flugreisen: Die Mehrheit blieb am Boden
60 Prozent der Österreicher:innen sind im letzten Jahr gar nicht geflogen. Nur 40 Prozent der Befragten sind in den zwölf Monaten vor der Erhebung zumindest einmal in ein Flugzeug gestiegen.

Das zeigt der Mensch-Umwelt-Monitor - unsere aktuelle repräsentative Studie zum Umweltbewusstsein in Österreich, für die über 2.000 Menschen befragt und im Anschluss mittels soziologischer Analyse unterschiedlichen gesellschaftlichen Milieus zugeordnet wurden.
Damit wird zunächst ein zentrales Bild sichtbar: Die Mehrheit der Bevölkerung verzichtete im vergangenen Jahr auf Flugreisen. Gleichzeitig offenbaren die Daten deutliche Unterschiede zwischen sozialen Gruppen – sowohl hinsichtlich der Frage, ob geflogen wird, als auch wie häufig.
Deutliche Unterschiede zwischen den Milieus
Am geringsten ist der Anteil der Flugreisenden im Milieu der konservativ-skeptischen Traditionellen: Lediglich 23 Prozent dieser Gruppe sind im untersuchten Zeitraum geflogen. Ähnlich niedrig ist der Wert bei den politikfernen Arbeiter:innen, von denen 27 Prozent mindestens eine Flugreise unternommen haben.
Demgegenüber steht das progressive (Klein-)Bürgertum, in dem mit 58 Prozent mehr als jede zweite Person im vergangenen Jahr geflogen ist. Auch im konservativen (Klein-)Bürgertum ist der Anteil mit 55 Prozent vergleichsweise hoch. Hier zeigt sich: Während ein Großteil der Gesamtbevölkerung am Boden blieb, ist Fliegen in bestimmten Milieus deutlich verbreiteter.
Diese Unterschiede betreffen jedoch nicht nur die Beteiligung an Flugreisen, sondern auch deren Häufigkeit. In den (klein-)bürgerlichen Milieus wurden im Durchschnitt knapp drei Flüge innerhalb von zwölf Monaten unternommen. Bei konservativ-skeptischen Traditionellen sowie bei politikfernen Arbeiter:innen lag der Durchschnitt hingegen bei etwa einer Flugreise pro Jahr. Die Spannweite zwischen den Milieus ist damit sowohl beim Anteil der Reisenden als auch bei der Intensität der Nutzung klar erkennbar.
Wer vermeidet Flugreisen eher?
Neben den milieuspezifischen Differenzen zeigen sich auch Unterschiede nach soziodemografischen Merkmalen. Frauen versuchen tendenziell häufiger als Männer, Flugreisen aktiv zu vermeiden. Ebenso geben ältere Personen sowie Menschen im ländlichen Raum häufiger an, auf das Fliegen verzichten zu wollen.
Diese Befunde deuten darauf hin, dass Mobilitätsentscheidungen nicht allein von infrastrukturellen oder ökonomischen Faktoren abhängen, sondern auch mit Lebensphase, Geschlecht und Wohnumfeld zusammenhängen.
Einstellungen und tatsächliches Verhalten
Besonders aufschlussreich ist der Vergleich zwischen Selbsteinschätzung und tatsächlichem Verhalten. Die Daten legen nahe, dass es nicht immer jene gesellschaftlichen Gruppen sind, die sich selbst als besonders umweltbewusst verstehen, die in allen Bereichen am ressourcenschonendsten handeln.
Ein markantes Beispiel sind die politikfernen Arbeiter:innen. Sie fliegen deutlich seltener als andere Milieus – vielfach gar nicht – und ein erheblicher Teil von ihnen besitzt zudem kein Auto. In bestimmten Bereichen ist ihr Lebensstil somit vergleichsweise ressourcenschonend. Gleichzeitig geben Angehörige dieses Milieus seltener an, dass Umweltschutz für sie oberste Priorität habe.
Genau andersherum gestaltet es sich bei den Flugreisen im progressiven (Klein-)Bürgertum. Es wird deutlich häufiger geflogen, gleichzeitig gaben Befragte aus dieser Gruppe an, dass ihnen Umweltschutz sehr wichtig ist.
Hier zeigt sich eine interessante Diskrepanz zwischen Einstellungen und Verhalten: Zwischen dem, was Menschen über sich selbst sagen oder als wichtig benennen, und dem, wie sie im Alltag tatsächlich handeln. Die Ergebnisse unserer Studie machen deutlich, dass Umweltverhalten in Österreich sozial unterschiedlich geprägt ist – und dass ein genauer Blick auf Lebensrealitäten oft differenziertere Einsichten liefert als reine Einstellungsfragen.