Wie naturverbunden sind wir in Österreich?
Der Mensch-Umwelt-Monitor untersucht, wie Menschen in Österreich ihre Beziehung zur Natur wahrnehmen und welche Einstellungen sie zu Umwelt- und Klimathemen haben. Zwischen unterschiedlichen gesellschaftlichen Milieus zeigen sich dabei große Unterschiede.
Insgesamt beschreibt die Mehrheit der Befragten ihre Beziehung zur Natur als eher eng. Besonders ausgeprägt ist dieses Naturverbundenheitsgefühl bei Frauen sowie bei Personen ab 65 Jahren.
Zwischen den sozialen Milieus zeigen sich ebenfalls Unterschiede. Die Milieus wurden auf Grundlage zentraler Grundorientierungen gebildet, darunter politische Systemkritik, Leistungs- und Aufstiegsorientierung oder sozialökologische Werthaltungen.
Eine vergleichsweise geringe Naturverbundenheit zeigen beispielsweise die politikfernen jungen Individualist:innen. Diese überwiegend junge Gruppe nimmt Politik häufig als weniger relevant für das eigene Leben wahr und richtet den Fokus stärker auf unmittelbare persönliche Lebensumstände.
Auch in der skeptisch-leistungsorientierten Mitte, die durch eine starke berufliche Aufstiegsorientierung und ausgeprägte Skepsis gegenüber politischen Eingriffen gekennzeichnet ist, fällt das Verbundenheitsgefühl zur Natur unterdurchschnittlich aus.
Damit wird deutlich: Die wahrgenommene Nähe zur Natur unterscheidet sich je nach Alter und grundlegenden gesellschaftlichen Orientierungen.
Einstellungen zu Umwelt- und Klimathemen
Unabhängig von der Naturverbundenheit erhebt der Mensch-Umwelt-Monitor auch emotionsbezogene und kognitive Einstellungen zu Umwelt- und Klimafragen.
Zentral ist: Umwelt- und Klimaschutz sind den Österreicher:innen nicht egal. Sie werden von zwei Dritteln der Österreicher:innen unterstützt und nur von einer Minderheit (8 %) abgelehnt. 29 Prozent zeigen eine ambivalente Haltung
Insgesamt unterstützen Frauen den Umwelt- und Klimaschutz stärker als Männer. Die Unterstützung steigt auch mit zunehmendem Bildungsgrad deutlich.
Auch zwischen den Milieus gibt es deutliche Unterschiede:
Im konservativ-skeptisch-traditionellen Milieu stehen Sorgen um Umwelt und Klima vergleichsweise weniger im Vordergrund. Gleichzeitig werden mögliche Nachteile durch Umwelt- und Klimapolitik stärker wahrgenommen, etwa im Hinblick auf steigende Lebenshaltungskosten oder Einschränkungen persönlicher Freiheit. Zudem wird häufiger ein Gefühl politischer Ohnmacht geäußert.
Ein ähnliches Muster findet sich in der skeptisch-leistungsorientierten Mitte, in der ebenfalls Sorgen vor wirtschaftlichen Nachteilen und Skepsis gegenüber umweltpolitischen Maßnahmen verbreitet sind.
Demgegenüber zeigt das progressive (Klein-)Bürgertum eine besonders hohe Besorgnis um Umwelt und Klima. Diese überdurchschnittlich gut gebildete und häufig urban geprägte Gruppe unterstützt aktive Umwelt- und Klimapolitik deutlich stärker und weist auch ein geringeres Gefühl subjektiver Hilflosigkeit auf.
Auch die etablierte Mitte, die durch höheres Alter und wirtschaftliche Stabilität gekennzeichnet ist, befürwortet Umwelt- und Klimaschutz. Die subjektive Relevanz fällt jedoch geringer aus als im progressiven (Klein-)Bürgertum.
Das konservative (Klein-)Bürgertum, das stärker auf marktwirtschaftliche und technologische Lösungsansätze vertraut, zeigt insgesamt geringere Sorgen um Umwelt und Klima und unterstützt aktive umweltpolitische Maßnahmen etwas seltener.
Die Ergebnisse zeigen ein differenziertes Bild: Viele Menschen in Österreich empfinden eine enge Beziehung zur Natur, zugleich unterscheiden sich Ausprägung und Stellenwert dieser Verbundenheit zwischen gesellschaftlichen Gruppen deutlich. Ebenso vielfältig sind die Einstellungen zu Umwelt- und Klimathemen – sie reichen von ausgeprägter Besorgnis und klarer Unterstützung politischer Maßnahmen bis hin zu Skepsis und Zurückhaltung. Umweltbewusstsein erweist sich damit nicht als einheitliches Merkmal der Bevölkerung, sondern als Ausdruck unterschiedlicher Lebensrealitäten, Wertorientierungen und gesellschaftlicher Perspektiven.