Landwirtschaft & Landnutzung
THG-Emissionen Landwirtschaft
Definition
Der Sektor Landwirtschaft umfasst die Treibhausgase Methan und Lachgas aus Viehhaltung, Grünlandwirtschaft und Ackerbau sowie in einem geringen Ausmaß auch Kohlenstoffdioxid aus Kalkdüngung, Harnstoffanwendung und der Düngung mit Kalkammonsalpeter (KAS). Gemäß der nationalen Sektoreinteilung nach Klimaschutzgesetz 2011 sind die durch energetische Nutzung von fossilen Energieträgern verursachten Treibhausgas-Emissionen in der Landwirtschaft ebenfalls enthalten (vorwiegend CO2 aus dem Einsatz von Maschinen, Geräten und Traktoren).
Ist-Stand
Der Sektor Landwirtschaft ist im Jahr 2023 für rund 12% der nationalen Treibhausgas-Emissionen verantwortlich. Seit 2005 haben die Emissionen um 3,7% abgenommen. Die in diesem Zeitraum deutlich abnehmende Anzahl an Milchkühen wird durch die zunehmende Milchleistung und dadurch energiereichere Fütterung emissionsseitig teilweise kompensiert, da es zu höheren Emissionen je Milchkuh kommt. Neben der Rinderhaltung ist auch die Ausbringung von Mineraldüngern eine wichtige Einflussgröße der landwirtschaftlichen THG-Emissionen. Die enormen Preissteigerungen bei Energie und Rohstoffen in den letzten Jahren zeigten sich auch am Mineraldüngermarkt, wodurch die Absatzmengen drastisch abnahmen.
Ausblick-Szenarien
Im WEM-Szenario ist die Umsetzung der Maßnahmen gemäß GAP-Strategieplan 2023-2027 abgebildet. Weiters sind die verpflichtenden Maßnahmen der im Jahr 2022 erlassenen Ammoniakreduktionsverordnung (BGBl. II Nr. 24/2023) berücksichtigt.
Das WAM-Szenario enthält zusätzliche Maßnahmen, die im Nationalen Luftreinhalteprogramm 2023 (BMK, 2024) und im Integrierten Nationalen Energie- und Klimaplan (BMK, 2024) dokumentiert sind. Dies umfasst weitere Maßnahmen in den Bereichen Fütterung, Systeme für Tierhaltung und Wirtschaftsdüngerlagerung, Wirtschaftsdüngerausbringung und Mineraldüngeranwendung.
Im Transition-Szenario (Stand 2023) sind die ambitioniertesten Annahmen für das Erreichen des Klimaneutralitätszieles Österreichs inkludiert. Beispielsweise wurde die Methanreduktion durch Einsatz von Futterzusatzstoffen weiter erhöht sowie eine weitere Anpassung des Rohproteingehalts an den Bedarf der Tiere unterstellt, um N-Überschüsse zu vermeiden. Die N-Effizienz des Gesamtsystems Landwirtschaft wurde generell weiter verbessert. Alle dahinterliegenden Annahmen sind umfassend im Bericht "Reduktion von Treibhausgasen in der Landwirtschaft" (Umweltbundesamt, WIFO & BOKU 2023) dokumentiert.
Links:
GAP-Strategieplan 2023-2027, Version 4.0
BMK - Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie, 2024 [Zugriff am: 29. April 2024]. Nationales Luftreinhalteprogramm 2023. gemäß § 6 Emissionsgesetz-Luft 2018 [online]
BMK – Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie, 2024. Integrierter nationaler Energie- und Klimaplan für Österreich. Periode 2021–2030. Wien, 2024.
Umweltbundesamt, WIFO & BOKU, 2023. Reduktion von Treibhausgasen in der Landwirtschaft. Reports, Band 0856. Wien, 2023.
Anteil des in Biogasanlagen vergorenen Wirtschaftsdüngers
Definition
Unter Wirtschaftsdünger werden tierische Ausscheidungen, Stallmist, Gülle und Jauche sowie Stroh und ähnliche Reststoffe aus der pflanzlichen Produktion verstanden, denen keine Nährstoffe zugesetzt wurden und welche Pflanzennährstoffe enthalten und dazu bestimmt sind, unmittelbar oder mittelbar Pflanzen zugeführt zu werden, um deren Wachstum zu fördern, deren Qualität zu verbessern oder deren Ertrag zu erhöhen. (Definition gemäß der Düngemittelverordnung: Verordnung des Bundesministers für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft, mit der Bestimmungen zur Durchführung des Düngemittelgesetzes 1994 erlassen werden (Düngemittelverordnung 2004)
StF: BGBl. II Nr. 100/2004)
Ist Stand
Der in Biogasanlagen vergorene Anteil des Wirtschaftsdüngers ist seit 2005 nur leicht angestiegen.
Ausblick Szenarien
Im WAM- und Transitionszenario sind der Erhalt bestehender Anlagen und ein massiver Ausbau der Biogasproduktion hinterlegt. Zusätzlich soll die Umrüstung von Anlagen, bei denen Biogas an Ort und Stelle in Blockheizkraftwerken in Strom und Wärme umgewandelt wird hin zu einer Veredelung von Biogas zu Biomethan und Einspeisung in das Gasnetz forciert werden. Dafür sind im Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz (EAG) entsprechende Anreize zu schaffen.
Mineraldüngereinsatz
Definition
Mineralischer Dünger ist Dünger, der Nährstoffe in anorganischer Form enthält, welche durch physikalische oder industrielle chemische Verfahren gewonnen werden; dazu zählen Kalkstickstoff, Harnstoff sowie seine Kondensate und Anlagerungsverbindungen. (Definition gemäß der Düngemittelverordnung)
Ist Stand
Der Einsatz von Mineraldüngern wurde in Österreich zwischen 1990 und 2005 um ca. 28 % reduziert. Seit 2005 ist jedoch kein klarer Trend mehr erkennbar. Die Mineraldüngermenge hat 2023 im Vergleich zum Vorjahr um 7,4% insbesondere aufgrund der enormen Preissteigerungen bei Energie und Rohstoffen am Mineraldüngermarkt abgenommen.
Ausblick Szenarien
Für das WEM-Szenario zeigen die Ergebnisse der PASMA-Modellierungen (WIFO & BOKU 2023) einen Rückgang der Tierbestände, wodurch die damit einhergehend verringerte Wirtschaftsdüngermenge durch erhöhten Mineraldüngereinsatz kompensiert wird. Das WAM-Szenario enthält die Maßnahmen gemäß Integrierten Nationalen Energie- und Klimaplan (BMK, 2024), welcher u.a. auf eine effizientere Applikation von Mineraldüngern und somit auf geringere Stickstoffverluste abzielt (z.B. Präzisionslandwirtschaft, Smart Farming).
Im Transition-Szenario wurde die Mineraldüngermenge um 30% im Vergleich zu WEM reduziert bei gleichzeitiger Steigerung der Düngereffizienz um 10%. Diese Effizienzsteigerung bedeutet, dass bei Nutzpflanzen somit der gleiche Ertrag mit weniger Düngereinsatz erreicht wird, zum Beispiel durch den umfangreichen Einsatz von Precision-Farming-Methoden (Umweltbundesamt, WIFO & BOKU 2023).
Verordnung des Bundesministers für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft, mit der Bestimmungen zur Durchführung des Düngemittelgesetzes 1994 erlassen werden (Düngemittelverordnung 2004)
StF:BGBl. II Nr. 100/2004
WIFO & BOKU (2023): Sinabell, F.; Falkner, K.; Streicher, G; Schönhart, M. & Schmid, E.: Austrian Agriculture 2030–2040-2050. Scenarios with existing (WEM) and additional (WAM) policy measures. Wirtschaftsforschungsinstitut (WIFO) und Universität für Bodenkultur (BOKU), Vienna.
BMK– Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie, 2024. Integrierter nationaler Energie- und Klimaplan für Österreich. Periode 2021–2030. Wien, 2024.
Umweltbundesamt, WIFO & BOKU, 2023. Reduktion von Treibhausgasen in der Landwirtschaft. Reports, Band 0856. Wien, 2023.
Fleischkonsum pro Kopf
Definition
Die Ernährungsumstellung hin zu saisonalen, regionalen und mehr pflanzlichen Produkten ist ein wichtiger Hebel zur Senkung der Treibhausgas-Emissionen aus landwirtschaftlicher Produktion.
Ist Stand
Von 2005 bis 2023 ist der Fleischkonsum in Österreich um rund 12% auf 57,6 Kilogramm pro Kopf und Jahr gesunken. Die stärkste Reduktion ist seit 2018 zu beobachten, mit einer Reduktion von 9,5% bis 2023.
Ausblick Szenarien
Für das Jahr 2040 wurden die Empfehlungen der WHO und der Österreichischen Gesellschaft für Ernährung (ÖGE) von max. 23 kg Fleisch pro Person und Jahr angenommen. Um dieses Ziel zu erreichen, braucht es noch wesentliche Verhaltensänderungen in der Bevölkerung sowie eine konsequent standortangepasste flächengebundene Tierhaltung. Dabei ist wesentlich, dass die Anzahl der Tiere und die damit anfallende Menge an Stickstoff-Dünger (Tier-Exkremente) in einem ökologisch nachhaltigen Verhältnis zur verfügbaren Fläche und deren ökologischer Beschaffenheit steht, wodurch auch Böden und Gewässer vor Nitrateintrag geschützt werden.
Milchkonsum pro Kopf
Definition
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Ist Stand
Der Pro-Kopf-Verbrauch von Konsummilch in Österreich ist zwischen 2005 und 2023 um knapp 15% zurückgegangen. Neben dem geringeren Konsum greifen die Verbraucher:innen auch vermehrt zu Ersatzprodukten auf pflanzlicher Basis (Hafer, Soja, Mandel).
Ausblick Szenarien
Das Transition-Szenario zeigt einen weiteren Rückgang der Nachfrage. Gemäß WIFO-Annahme wird der Konsum von Nahrungsmitteln um ein Zwölftel verringert.
Links:
Umweltbundesamt, WIFO & BOKU, 2023. Reduktion von Treibhausgasen in der Landwirtschaft. Reports, Band 0856. Wien, 2023.
Verbrauch fossiler Energieträger stationären Geräte in der Landwirtschaft
Definition
Die landwirtschaftlichen Gebäude (ausgenommen Wohngebäude) sind überwiegend unbeheizt. Geflügel- und Schweinebetriebe erfordern für die Tiergesundheit in der Regel eine Stallheizung. Im Bereich von Gartenbau und Feldgemüseanbau ist die Beheizung von Glas- und Gewächshäusern weiter verbreitet.
Ist Stand
Der Verbrauch fossiler Energieträger für stationäre Geräte in der Landwirtschaft ist seit 2005 bis 2023 um 74% zurückgegangen. Insbesondere der Einsatz von Kohle und Öl wurde stark reduziert. Zwischenzeitlich wurde überwiegend betriebsbedingt und in Abhängigkeit von der Witterung und den Energiepreisen vermehrt Gas eingesetzt.
Ausblick Szenarien
Der aktuelle Verbrauch fossiler Energieträger für stationäre Geräte in der Landwirtschaft unterschreitet die Berechnungsergebnisse in den Szenarien.
- Das Szenario WEM zeigt bis 2040 einen stetig auf 161 TJ sinkenden jährlichen Verbrauch fossiler Energieträger für stationäre Geräte in der Landwirtschaft. Die Reduktion gegenüber dem Startwert 2021 von 1.164 TJ beträgt 86%. Die Entwicklung wird mit aktuellen Trends zur Verringerung des Einsatzes fossiler Energieträger für die landwirtschaftliche Produktion (z. B. Umstellung der Stallbeheizung vor allem auf Biomasse oder Wärmepumpen, Preisänderungen am Energiemarkt) erklärt. Durch die höhere Aktualität wirken diese Treiber und Maßnahmen stärker als im Szenario WAM.
- Im Szenario WAM sinkt der jährliche Verbrauch fossiler Energieträger für stationäre Geräte in der Landwirtschaft bis 2040 um 51% auf 566 TJ ab. Der Rückgang ist somit schwächer als im Szenario WEM. Diese Entwicklung wird unter anderem mit abweichenden Annahmen zu Energiepreisen gemäß der zum Zeitpunkt der Erstellung des Szenario WAM verfügbaren Datengrundlage sowie der Einarbeitung von schwächer ausgeprägten historischen Trendentwicklungen in der landwirtschaftlichen Produktion erklärt.
- Im Szenario Transition sinkt der jährliche Verbrauch fossiler Energieträger für stationäre Geräte in der Landwirtschaft bis 2040 um 100 % auf 0 TJ ab. Maßgeblich ist neben der forcierten Umstellung auf erneuerbare Energieträger (v. a. Biomasse, Wärmepumpen) die Nutzung von erneuerbarem Gas in der landwirtschaftlichen Produktion, die ab 2040 den klimaneutralen Betrieb aller verbleibenden Gas-Heizungen ermöglicht.
Um Klimaneutralität bis 2040 zu erreichen, leistet der zügige Ersatz von fossilen Heizsystemen in landwirtschaftlichen Gebäude (ausgenommen Wohngebäude) bzw. in der landwirtschaftlichen Produktion einen wichtigen Beitrag.